Donnerstag, 18. Juni 2015

VOX sucht Kinderwunsch-Paare

Im öffentliche Kontaktbereich erreichte mich diese Anfrage. Da ich die Dokumentation durchaus unterstützendswert finde, möchte ich diese Anfrage im besser sichtbaren Bereich veröffentlichen. Aus beruflichen Gründen kann ich mich leider nicht outen Aber vielleicht jemand von euch?

Hallo liebe Lisa,

zuerst einmal möchte ich dir sagen, dass ich es ganz toll finde, dass du so offen darüber schreibst und berichtest. Wie du schon geschrieben hast, du bist damit nicht alleine, denn es geht- leider- vielen so. Deshalb finde ich es auch wichtig, dass man sich darüber austauscht und dadurch auch Mut bekommt und nicht die Hoffnung verliert. Im Zuge meiner Recherche bin ich auch auf deinen Blog gestoßen und hoffe, dass ich dich mit meiner nachricht nicht verärgere. Sollte dies der Fall sein, dann tut es mir sehr leid!

Ich arbeite bei einer Fernsehproduktionsfirma und vier produzieren derzeit eine vierstündige TV-Dokumentation für den Sender VOX zum Thema "unerfüllter Kinderwunsch, künstliche Befruchtung, Samenspende". Unser Ziel ist es nicht, dass wir menschen vorführen oder bewerten wollen, sondern aufzeigen, dass es sehr viele Frauen und Paare betrifft, die keine andere Möglichkeit haben. Wir möchten Betroffene auf ihrem Weg begleiten und erzählen welche Hürden sie auf sich nehmen müssen, mit welchen Vorurteilen, mit welchen Problemen und mit welchen Gefühlen sie zu kämpfen haben. Wir möchten mit der Doku versuchen, das Thema aus der Tabu-Ecke zu holen. Ich weiß, dass das Thema sehr privat und sensibel ist. Aber wenn niemand darüber spricht, dann kann sich leider auch nicht viel ändern. Aber natürlich muss das jeder für sich selbst entscheiden!

Ich würde mich freuen, wenn du dich bei mir melden würdest. Du, oder jeder der möchte, kann mich ganz unverbindlich anschreiben und mehr über unser Vorhaben erfahren. 

Gerne kannst du mit an kinderwunsch@tresor.tv eine nachricht schicken. Ich würde mich sehr freuen!

Beste Grüße,

Denise 

Eigentlich sollte es jetzt losgehen...

Eigentlich sollte es am Wochenende endlich losgehen - zumindest mit der Pilleneinnahme. 
Aber mir geht es schon seit Tagen hundsmiserabel. Ich bin seit Tagen extrem müde, habe einen Druck hinter den Augen und meine Gelenke schmerzen. Und ich bin wirklich für nix zu gebrauchen und auch seit zwei Tagen nicht im Büro.

Ich habe momentan den Verdacht, dass meine Hashimoto-geplagte Schilddrüse nicht richtig eingestellt ist. Aber vielleicht ist es ja doch etwas anderes? Fakt ist jedenfalls, dass ich so nicht in die Behandlung einsteigen werde. 

Heute Morgen war ich bereits in der KiWu-Klinik und habe mir Blut abnehmen lassen. Allerdings habe ich keinen Arzt gesehen und mir wurde nur der TSH, ft3 und ft4-Wert bestimmt. 

Da mir das zu wenig ist, sitze ich gerade noch bei einem Allgemeinmediziner im Wartezimmer. In der Hoffnung, dass die mir auch bestätigen, dass nur meine Schilddrüse richtig eingestellt werden muss.

Eine Sache regt mich gerade wirklich auf. Ich nehme die Schilddrüsenhormone schon seit April. Laut diversen Internetseiten erfolgt eine erste Begutachtung der SD-Werte sechs Wochen nach der Einnahme. Meine Ärztin in der KiWu-Klinik meinte, dass eine Blutabnahme erst kurz vor der Stimulation notwendig sei. Aber dann wäre es doch eigentlich viel zu spät, oder? Wenn dann rauskommt, dass meine Werte miserabel sind, verzögert sich die ganze Behandlung i.d.R. ja noch einmal um 4 - 6 Wochen bis zur nächsten Behandlung.

Hat eine von euch vielleicht auch ein Schilddrüsen-Problem? Wie ist die Einstellung bei euch abgelaufen? Normalerweise wird dieser Wert doch noch mal kontrolliert, oder?

Ich bin soooo genervt! Jetzt sollte es doch eigentlich losgehen!

Freitag, 12. Juni 2015

So schnell vorbei

Wie schnell sie vergeht. 
Die Zeit. 
Die Zeit, die Wunden heilt.
Narben bleiben jedoch übrig.
Narben, die mich erinnern sollen.
Dass da wirklich etwas war.
Du warst da. Hier. In mir.
Unter meinem Herzen.
Mit Herzschlag.
Ganz lebendig.
Am falschen Ort.

Ich habe dich losgelassen.
Musste dich loslassen.
Musste dich gehen lassen.
Nun bist du an einem besseren Ort.
Mit anderen Sternenkindern.
Mit einem anderen Sternenkind von mir.
Ich war nie dort. An diesem Ort.
Er soll sehr schön sein.

Es gibt keinen Beweis dafür, dass du je existierst hast.
Kein Schriftstück.
Kein Eintrag in einem offiziellen Dokument.
Du bist lediglich ein kurzer Eintrag in meiner Krankenakte.
Und ein Teil meines Herzens.
Für immer.
Vor einem Jahr warst du am Morgen noch bei mir. In mir. Mit mir.
Am Nachmittag warst du bereits weit weg von mir. Nicht mehr bei mir. Kein Teil von mir.
Ich will dich niemals vergessen.
Ich kann dich vermutlich niemals mehr vergessen.
Pass von da oben bitte auf mich auf.
Wache über mich.
Beschütze mich.
Sei Teil meines Herzens. Meines Lebens.
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Freitag, 5. Juni 2015

Liebes Pech, geh doch einfach mal vorbei

Was haben sie alle getönt in der KiWu: ach, wenn Sie immer so schnell schwanger geworden sind, dann ist das Spermiogramm Ihres Lieblingsmannes nur reine Formsache.

Tja, ihr denkt es euch sicher schon, ne? Ne, is nich. Das Spermiogramm ist zwar ok, aber reicht nicht für ne IVF aus. 

Diese winzig kleine Änderung in der Behandlungsform macht uns finanziell aber echt zu schaffen, weil in unserer KiWu pro Eizelle abgerechnet wird. Wenn ich tatsächlich 12 oder mehr Eizellen produziere, kann uns der ganze Spaß locker 9.000 EUR kosten, ggf. auch 10.000 EUR. Kommt noch die Kryo dazu kommt da noch ne winzig kleine Kleinigkeit dazu. Geht's noch?

Da jammert mir die Regierung einen vor, dass unsere Geburtenrate gerade auf dem Tiefpunkt angelangt ist. Aber weil ich nicht verheiratet bin, werden meine kaputten Eileiter nicht als Krankheit angesehen.

Statt dessen darf ich Geld für dieses beschissene System zahlen, dass die schwarze und krebskranke Lunge eines Rauchers behandelt. Ach ne, da war ja was. Der Staat verdient ja an den Rauchern, denn für jede verkaufte Packung Zigaretten kassiert der Staat ja mäßig Kohle. Deswegen dürfen ja auch Philipp Morris & Co. weiterhin öffentlich witzige Plakate in ganz Deutschland aufhängen und Rauchen als Coole Sache darstellen.

Ich könnte gerade so kotzen. 

Warum lässt man die Krankenkassen bitte nicht selbst entscheiden, ob Sie diese Behandlung nicht auch unverheirateten Paaren anbieten wollen?
Warum gelten meine kaputten Eileiter erst dann als Krankheit, wenn ich verheiratet bin? Was ist das eigentlich für ein gequirlter Mist, den die Regierung die die Gerichte hier verzapfen?

Ich bin gerade sooooo wütend! Und bevor ich mich jetzt noch über andere Bevölkerungsgruppen aufrege und das vielleicht noch bereuen werde, höre ich lieber mal auf. Ich muss gerade eh meinen halben Hausstand fotografieren, weil ich diesen nun bei eBay verkaufen muss. Irgendwie muss man diesen Irrsinn ja finanzieren...

Donnerstag, 14. Mai 2015

Mama, wie weit ist es noch?

HErinnert ihr euch noch an die Urlaubsfahrten als Kind? Damals, als ein Tag gefühlte 100 Stunden lang war? Meine Familie und ich sind jedes Jahr fast 2.000 Kilometer mit dem Auto in das Heimatland eines Elternteils gefahren. Ich war jedes Mal so unglaublich aufgeregt. Die Nacht zuvor konnte ich nicht einschlafen und war morgens meist vor meinen Eltern wach. Vor lauter Nervosität habe ich immer am ganzen Körper gezittert und musste immer das Bad aufsuchen, weil mein Magen das alles andere als lustig fand. Mit meiner besseren Geschwister-Hälfte versuchte ich die vielen Stunden durch Spiele zu überbrücken. Wir erzählten uns alle immer sehr viel. Und insbesondere bei meinen Eltern, weckte die Fahrt in die alte Heimat natürlich auch viele Erinnerungen. Wir lauschten jedes Mal gebannt den alten Geschichten. Und es war uns auch völlig egal, ob wir die Geschichten schon mehrere Male gehört haben. Diese ewig lange Autofahrt war immer etwas ganz besonderes. Es wurde zu einer Familientradition, an die ich mich bis heute sehr gerne zurück erinnere. Auch, wenn das Verhältnis zu meiner Familie mittlerweile miserabel ist.

Ich erinnere mich auch sehr gut, dass ich meine Eltern mehrere Male mit der Frage genervt habe, wie lange es denn jetzt noch dauert. Meine Eltern meinten irgendwann mal zu mir, dass ich diese Frage manchmal schon nach einer halben Stunde Fahrtzeit gestellt habe. Dann muss ich schon schmunzeln - so im Nachhinein betrachtet ;-) Als Kind kommen einem ja schon 5 Minuten wie eine Ewigkeit vor. Für die Fahrt in die Heimat haben wir einen ganzen Tag gebraucht. Und ich war doch so aufgeregt, weil ich einen Teil meiner Familie und meinen heißgeliebten Großvater wieder sehen sollte. 

Warum ich euch das alles schreibe? Weil dieser lange - vermeintlich ewig dauernde - Weg zum Ergebnis (ein Kind oder doch ungewollt kinderlos) aktuell so unendlich lang scheint. Ich bin wahnsinnig aufgeregt, weil ich nicht weiß, was ich am Ende des Wegs, des Kinderwunsch-Wegs, antreffen werde. 
Mir ist mittlerweile auf jeden Fall klar, dass der Weg nicht in einer Sackgasse enden wird. Es wird zwei tolle Wege geben: Den Weg als Mutter von ein, zwei oder gar drei Kindern oder den Weg als CNBC. 
Problem ist nur, dass ich so ungeduldig bin und mich diese Unwissenheit gerade verrückt macht, weil ich nicht weiß wie der Weg am Zielpunkt weitergehen wird. Wenn ich jetzt schon wüsste, dass ich als CNBC ende, würde ich mein Leben ab sofort umkrempeln. Zum Beispiel würde ich ein Sabbatical für ein halbes Jahr beantragen und mal ganz tief in mich gehen, was ich mit meinem neuen Lebensentwurf machen möchte. Ich würde mit meinem Lieblingsmann, Hund und Wohnmobil in die nordischen Länder reisen und einfach das Leben wie einen großen Regenschauer auf uns herabprasseln lassen. 
Aber weil ich das alles nicht weiß, tragen wir unsere Ersparnisse jetzt alle in eine KiWu-Klinik, verzichten auf Urlaub und ich bleibe weiterhin in meinem Job, den ich zwar mag, der aber gerade nicht DIE Erfüllung meines Lebens darstellt. Das ist schon O.K. so, aber ich befürchte folgendes: wenn am Ende herauskommt, dass ich für immer eine CNBC bleiben werde, war der Weg dahin doch völlig verschwendete Lebenszeit. Lebenszeit, die ich so viel sinnvoller hätte nutzen können. 

Ich fahre dann jetzt mal los. Zwischendurch versuche ich mir die Frage zu verkneifen, wie lange es denn jetzt noch bis zum Ziel dauert. Keine Angst, nur weil ich auf year Reise bin, werde ich euch natürlich weiterhin berichten wie es in meinem Leben aussieht. Schließlich gibt es auf dem Weg zum Ziel viel zu sehen. Ich habe mir auch vorgenommen hin und wieder eine Verschnaufpause einlegen, damit ich nicht völlig übermüdet am Zielort ankomme und die nachfolgende Urlaubszeit genießen kann. 

Montag, 11. Mai 2015

Muttertag - mal wieder ohne mich

Gestern war Muttertag. Wäre mein Leben letztes Jahr anders verlaufen, dann hätte ich dieses Jahr zum ersten Mal Muttertag feiern können. Ich habe versucht, diesen Tag weitestgehend zu ignorieren. Leider nicht ganz erfolgreich, weil man doch an vielen Orten immer wieder daran erinnert wird. Dabei wird einem auch wieder klar, welch omnipräsente und wichtige Rolle "die Mutter" in unserer Gesellschaft spielt. Kein Wunder, dass kinderlose Frauen als "seltsame undefinierbare Wesen" erachtet werden.

Vorgestern habe ich erfahren, dass ein Paar aus meinem Bekanntenkreis nun auch schwanger ist. Das hat in mir ein sehr ambivalentes Gefühl ausgelöst: Freude, Traurigkeit und Wut gleichzeitig. Dazu muss ich sagen, dass dieses Paar auch in einer KIWU-Behandlung ist und deren Vorausetzungen noch schlechter sind als unsere. Denn hier sind beide Partner "reproduktiv beeinträchtigt". Einerseits macht mir deren Ergebnis Hoffnung. Andererseits habe ich Angst davor, vielleicht leer auszubleiben. Wenn es jetzt bei uns nicht klappt, werde ich vermutlich die Frage aufwerfen "warum die und nicht wir?". Es beruhigt mich sehr, dass ich auch in euren Blogs diese ambivalenten Gefühle in Bezug auf Schwangerschaften in eurem Bekannten/Freundes/Familienkreis lese. So weiß ich, dass ich kein mieser Mensch bin, sondern alles noch normal ist ;-) Letztendlich freue ich mich ja auch für die beiden - weh tut es aber trotzdem.

Letzte Woche war ich ja auch zur Gebärmutterspiegelung in meiner Klinik. Über die Diagnose war ich sehr glücklich: meine Gebärmutter sieht nach wie vor gut aus. Somit lag der Grund für meine Eileiterschwangerschaften also definitiv in den Eileitern selbst. Und nach den beiden OPs und den Ausschabungen hat sich zum Glück auch kein Narbengewebe oder ähnliches gebildet. 

Die Einstellung der Schilddrüse macht mir gerade ein wenig zu schaffen. An manchen Tag spielt der Kreislauf ein wenig verrückt. Seit Tagen habe ich Kopfschmerzen, bin müde. Ich habe das zuerst gar nicht auf meine Einstellung der Schilddrüse zurückgeführt. Aber im Hashimoto-Forum berichten sehr viele über diese Einstellungs-Schwierigkeiten. Dann muss ich das jetzt erst mal so hinnehmen und übe mich in Geduld - ich weiß ja, wofür ich es mache.

Diese Woche muss der Lieblingsmann zum Spermiogramm. Er hat da richtig Panik vor, weil er es schrecklich findet in einem Raum zu sein, dem schon 1.000 andere ... waren. Und zudem ist ihm Angst und Bange davor, dass es da nicht so recht klappen wird oder er eeewig braucht. Ich hoffe so sehr, dass das Personal dort diskret mit ihm umgeht und er nicht allein schon deshalb wieder die Praxis verlässt. Irgendwie finde ich das ja witzig: wir Kinderwunsch-Frauen schreiben alles über unsere Behandlungen auf, bis in letzte Detail. Von den Männern liest man so gut wie gar nix. Wirklich kein einziger Erfahrungsbericht zum Spermiogramm, wenn überhaupt erzählt die Frau etwas im Internet darüber. Komisch, gell? 

Im Moment hänge ich so in der Schwebe, weil gerade alles möglich erscheint. Mit viel Glück könnte ich im Sommer tatsächlich schon schwanger sein und zu Weihnachten mit einem dicken Bauch unterm Tannenbaum sitzen. Es kann aber auch sein, dass ich mir zu Sylvester wieder wünsche, dass sich solch ein beschissenes Jahr nicht wiederholt. 

Faites vos yeux - fragt der Croupier mich vor der KiWu-Behandlung. Setze ich auf rot oder schwarz? Ich bin unentschlossen, setze dann aber auf rotRien ne va plus - beendet der Croupier die Spielrunde. Ich kann mein Schicksal nicht selbst bestimmen, sondern muss abwarten, wo die Kugel am Ende landet. Rot oder schwarz - das wüsste ich zu gern.