Dienstag, 24. Mai 2016

3. ICSI - 5. Stimulationstag oder die Sache mit der Brüterei

Direkt vorneweg: ich habe mich aus meinem Tief ganz schnell wieder erholt, nachdem sich dann auch endlich mal die Migräne bequemt hatte mich endlich zu verlassen. Also diese blöden Hormone ziehen mich in den ersten Tagen immer in ein richtig depressives Loch und ich bin schon wieder darauf reingefallen. Eigentlich wollte ich ja jetzt schreiben "Beim nächsten Mal wird mir das nicht mehr passieren". Aber ich will den Teufel ja nicht heraufbeschwören, bevor die Hormonbehandlung überhaupt abgeschlossen ist. Mit meinem Lieblingsmann ist jetzt auch alles wieder fein. Wir haben das Thema "Ende des Kiwu-Weges" auch gar nicht mehr angesprochen. In meinem Zustand ist das auch besser so. Ich bin sowieso zu keiner rationalen Entscheidung mehr fähig. 300 Einheiten Gonal F und 75 Einheiten Luveris machen aus mir ein kleines unausstehliches Nervenbündel. Ich kann mich gerade selber nicht leiden, weil ich wirklich zickig bin, eine superdünne Haut habe und mich null konzentrieren kann. Und eigentlich hatte ich gehofft, dass die "Überdosis" Hormone jetzt auch mal zum Erfolg führen sollte. ABER... der liebe Storch sieht das im Moment wohl noch etwas anders! 

Heute hatte ich den ersten Ultraschall und hatte gehofft, dass ich viele große Follikel sehe. Aber nix da. Sie waren alle extrem winzig und ich war schon richtig niedergeschlagen. Meine Ärztin hat das sofort gemerkt und meinte, dass ich gar nicht deprimiert sein muss. Denn die Anzahl der Follikel sei heute für sie entscheidender: und die ist diesmal wohl anständig. Somit hätte sie das erste Ziel schon einmal erreicht. Nach dem zweiten Ziel habe ich sie vergessen zu fragen: aber ich vermute mal, dass sie diesmal viele und gleichmäßig große Follikel haben möchte. 
Ich habe sie dann gefragt, ob das langsame "Brüten" meinerseits mit meinem hohen Alter zusammenhängt, aber das verneinte sie. Also bin ich einfach grundsätzlich eine langsame Bruthenne.

So, ihr lieben Hormone: jetzt gebt mal Butter bei die Fische. Vor einigen Wochen ist schließlich ein Storch gegenüber auf unserem Hausdach gelandet. Und das ist extrem außergewöhnlich, dass so ein Storch ausgerechnet in unserer Großstadt in unserer Straße landet. Ich hoffe ja, dass er extra für uns gekommen ist und für niemand anderen. Ich habe auch noch nie zuvor einen echten Storch gesehen. Von daher hoffe ich doch, dass das ein gutes Zeichen für uns ist.

Wie geht es weiter? Übermorgen (also Stimulationstag 7), soll ich die Gonal-Dosis um 50 Einheiten erhöhen, weil ich dann noch parallel Ovitrelle spritze und das in den letzten beiden Behandlung immer mein Follikelwachstum gehemmt hat. Hoffentlich hat meine Ärztin jetzt die Lösung für mein Problem gefunden...

Wie ihr unschwer erkennen könnt, schreibe ich nun doch ;-) Irgendwie brauche ich diesen Blog und euch doch. Der Blog und ihr gehört unweigerlich zu meinem Kinderwunschweg dazu. Er ist mein Ventil, mein Auffangnetz, mein Wegbereiter und ein Teil meiner Seele.

Alles Liebe euch, und bis die Tage!



Samstag, 21. Mai 2016

Wenn man anfängt den Kinderwunschweg in Frage zu stellen...

... dann kann es passieren, dass der Lieblingsmann völlig ausrastet.

Genau das ist soeben passiert. Seit Wochen ist Plan B für mich präsenter denn je. Offen darüber gesprochen habe ich nicht. Seit Wochen merke ich, dass mein Körper und meine Seele keine Lust mehr auf Hormone und die darauf folgenden Niederlagen mehr haben. Auf diese Behandlung, die gestern gestartet ist, habe ich mich nicht mehr gefreut. Als ich gestern die Kinderwunsch-Klinik betreten habe, hatte ich richtig schlechte Laune. Erst recht, als ich mir gestern die ersten beiden Spritzen gesetzt habe. Aufgrund der Höchstdosis, die mir gerade verabreicht wird, ist schon gestern Abend das eingetreten, was ich eh schon befürchtet hatte: Migräne und Übelkeit. Das ist natürlich noch das i-Tüpfelchen auf meiner schlechten Laune. Innerhalb weniger Stunden haben die Hormone ein psychisches Wrack aus mir gemacht. Ich bin jetzt schon weinerlich - ein Zustand, der normalerweise erst am dritten Tag gekommen ist. Und ehrlich gesagt fühle ich mich gerade wie ein psychisches Wrack. Und es bestätigt meine Ahnung, die mich schon seit Wochen immer wieder heimsucht: Ich will das alles nicht mehr.

Das habe ich eben meinem Lieblingsmann gesagt und er ist ausgerastet. Denn so hätten wir nicht gewettet, das Spiel schon vorzeitig zu beenden. Ich hatte das Gefühl, dass er sich betrogen von mir fühlt. Vermutlich betrogen darum, dass er bei mir geblieben ist, obwohl ich der Verursacher bin - und ich ihm zugesichert habe, dass wir alles versuchen werden. Nun ja, jetzt hat er wütend das Haus verlassen - zwar mit Gruß, aber ohne Kuss.

Ich weiß aktuell gar nicht so recht, ob ich das Spiel wirklich vorzeitig beenden möchte. Der Kinderwunsch ist ja da. Ich habe nur so einen Widerwillen dieser Kinderwunsch-Behandlung - konkret: die Hormonbehandlung - gegenüber entwickelt. Es kotzt mich so an - es kotzt mich so dermaßen an! Insbesondere dann, wenn das wieder alles wieder umsonst gewesen sein und negativ enden wird. Wofür hat man dann all diese Strapazen auf sich genommen? Wie schaffen es manche Frauen, diese Behandlungen nahezu ohne Blessuren zu durchstehen? Was ist ihr Geheimnis? Woher nehmen sie immer wieder die Motivation für die nächste Behandlung?

Stecke ich gerade in einer typischen Phase - in einer Kinderwunschweg-Krise, die typisch für die dritte Behandlung ist? Geht das wieder weg? Wie komme ich da wieder raus? 

So - habe während des Schreibens ordentlich geheult und mir sind 1.000 Gedanken durch den Kopf geschossen. Ich merke, dass sich da gerade was tut und dass es mir schon besser geht.

Danke für's zuhören. Es wird wohl eine spannende ICSI. Eine neue Dimension wurde erreicht ;-)

Montag, 16. Mai 2016

Bald geht es wieder los

Gestern habe ich die letzte Pille aus dem Vorzyklus genommen. Und am Mittwoch oder Donnerstag wird meine liebste - und für ca. 10 Monate hoffentlich vorerst letzte - Menstruation kommen. Und am Freitag freut sich mein Körper und die Psyche wieder riesig auf die Extra-Portion Hormone ;-)
Viele Wochen haben wir DIESES Thema nicht mehr thematisiert, haben uns um uns selbst gekümmert. Uns entspannt und schöne Dinge gegönnt. Aber seit einigen Tagen ist DIESES Thema wieder präsent. Allerdings nicht mehr in dem Maße wie die letzten beiden Behandlungen. Die Zuversicht ist verschwunden, dass wir DIESES eine Mal endlich dran sind. Ja, da ist noch Hoffnung, aber keine Zuversicht mehr. Wenn wir keine Hoffnung mehr hätten, dann bräuchten wir diese Behandlung gar nicht erst zu machen, gelle? Aber die Hoffnung ist mittlerweile auf einem realem Maß angekommen. Ich weiß ja, wie es wieder enden kann.

Allerdings gibt es dieses Mal etwas, was wir anders machen. Wir nennen es "unser Feng Shui-Projekt". Seit Anfang des Jahres nehmen wir uns immer wieder ein Zimmer unserer Wohnung vor und misten gnadenlos aus. Klamotten, Küchengeräte, Bücher etc. Die Sachen werden auch nicht weggeschmissen, sondern alle gespendet. Schließlich sollen diese Dinge nicht umsonst produziert worden sein. Vor knapp 2,5 Jahren (mit Beginn unserer aktiven Kinderwunschzeit) haben wir uns entschlossen, das dritte Zimmer frei zu machen und nur noch das nötigste dort zu lassen. Mit jeder ELSS und negativ geendeten ICSI wurde das dritte Zimmer immer mehr und mehr zu einem häßlichen Abstellraum. Ein Zimmer, das ich - als Hobbynäherin, Hobby-Strickerin etc., eigentlich sehr gut für meine Hobbies hätte nutzen können. Aber keiner von uns beiden hätte Interesse dieses Zimmer schön zu gestalten und zu nutzen. Vor vier Wochen - wir waren im Urlaub - haben wir uns dann entschlossen, dieses Zimmer endlich frei zu machen. Denn nur so kann das Gute auch hineinfließen. Nur so können die alten Dämonen endlich vertrieben werden und das Gute hineinfließen. Mit dem "Guten" ist nicht zwangsläufig ein Baby gemeint. Das wäre natürlich das Schönste. Aber es wird Zeit, nicht mehr so fest an alten Lebensentwürfen festzuhalten. Wir können die Zukunft nicht erzwingen. Das haben wir gelernt - bitter gelernt. Aber, wenn wir schon kein Baby haben, so möchten wir wenigstens dieses "verdammte" dritte Zimmer wieder schön machen und nutzen. So ein bisschen Feng Shui schadet da bestimmt nicht ;-)

So, da bin ich nun. Wenige Tage vor meiner dritten ICSI. Niemand weiß, wie sie enden wird. Niemand weiß, ob ich danach glücklich sein werde oder in ein tiefes Loch fallen werde. Niemand weiß es...
Ich bin gespannt, wie ich dieses Mal auf die noch höhere Hormondosis reagieren werde. Wie wird es mit der Arbeit funktionieren? Ich hoffe, dass mir eine heftige Überstimulation erspart bleibt. Vorsorglich habe ich bereits mit meiner Frauenärztin ausgemacht, dass sie mich spätestens ab Punktion wieder krankschreibt. Die bisherigen leichteren Überstimulationen machen ein Arbeiten einfach unmöglich. Und das wird mit der höheren Dosierung sicherlich nicht besser.

Wie bereits das letzte Mal bereits geschrieben - ich weiß noch nicht, ob ich mich melden werde. Macht euch also bitte keine Sorgen um mich :-). Aber drückt mir bitte alle ganz, ganz feste eure Daumen und Zehen!!! Ich brauche sie alle.
Alles Liebe - bis dahin!

Donnerstag, 28. April 2016

Die Absurdität der Dinge

Kurz bevor ich das erste Mal schwanger wurde, war mir klar, dass ich bei meinem aktuellen Arbeitgeber nicht bleiben möchte. Zu wenig Geld, zu wenig Entwicklungsmöglichkeiten und die Kolleginnen in meiner Abteilung waren ja auch alles andere als sympathisch. 
Der absurde Werdegang meines Kinderwunsches zwang mich jedoch dazu, diesen Job zu behalten. Es gab viele Tage und Wochen, an denen ich mich heftigsten Bauchschmerzen zur Arbeit gegangen bin. Das Ganze wurde auch noch schlimmer, weil ich um den Zwang wusste, der auf diesem Job lag. Aufgrund der Kinderwunsch-Behandlung konnte ich nicht wechseln. Zum einen, weil ich nicht wusste, ob ich direkt schwanger werden würde und zum anderen auch deshalb, weil so eine Kinderwunschbehandlung sehr viel Zeit frisst und einen wohlwollenden Arbeitgeber erfordert. Ein neuer Arbeitgeber würde vermutlich wenig Verständnis dafür haben, dass ich an vielen Tagen sehr spät zur Arbeit komme (an manchen Tagen musste ich zwei Stunden in der KiWu-Klinik warten). Und bestimmt noch weniger Verständnis, wenn ich dann auch direkt noch schwanger werden würde, obwohl ich doch erst angefangen hätte.
Nun ja, wie ihr wisst bin ich trotz zweifacher ICSI bislang nicht schwanger geworden. Entsprechend hätte ich eigentlich auch den Job wechseln können. Hinterher ist man immer schlauer. 
Ich habe zum Glück einen ganz tollen Coach, mit dem ich über meinen Kinderwunschweg und meinen Ärger im Job gut reden kann. Mit diesem Coach bin ich dann all diese Fragen durchgegangen. Was möchte ich wirklich? Worauf möchte ich mich in meinem Leben jetzt konzentrieren? Wie viel Energie bin ich bereit für einen neuen Job zu geben? Möchte ich mir wirklich diesen doppelten Stress antuen und mich auf einen neuen Job einlassen, während ich in dieser anstrengenden Behandlung stecke. Mein Coach hat mir dringend geraten, eine für mich saubere Entscheidung zu treffen. Und egal, welche Entscheidung ich auch treffe, sie wird zu diesem Zeitpunkt die richtige sein. Und deshalb habe ich diese auch zu akzeptieren und dann auch nicht mehr zu hinterfragen. Und das habe ich letztes Jahr auch vor der ersten Behandlung gemacht. Ich habe mich gegen eine Entwicklung im Job entschieden, weil ich keine Lust auf eine Doppelbelastung hatte. Klar, ich hatte an einzelnen Tagen tatsächlich Momente, in denen ich die Entscheidung kurzfristig bereut habe. Habe mit jedem Tag wurde es besser. Und irgendwann war ich komplett entspannt. Es war mir schnurzpiepsegal, dass ich mich im Job nicht weiterentwickeln könnte. Und plötzlich hatte ich wieder richtig Spaß an der Arbeit und ich sprudelte vor Ideen und habe richtig viel gebacken bekommen. Und mit meinen Kolleginnen läuft es seitdem auch viel, viel entspannter. Ich freue mich sogar mittlerweile, wenn ich meine Kolleginnen morgens im Büro sehe. Wir lachen alle sehr viel und erzählen uns auch mehr persönliche Dinge. Früher undenkbar, weil wir alle Angst hatten, dass der andere das gegen einen verwendet. Und das alles, trotz der parallel laufenden Kinderwunschbehandlung. 

Und scheinbar, hat das alles auch mein Umfeld gemerkt: denn ich wurde dieses Jahr befördert und man stellt mir nun eine Leitungsposition in Aussicht. Ist das nicht völlig absurd? Da investiert man nicht mehr bewusst in die Karriere und fixiert sich nicht mehr drauf ... und siehe da: es passiert was. 

Wenn ich das jetzt auch noch auf meinen Kinderwunschweg übertragen könnte, wäre das natürlich klasse. Aber - wie wir das ja alles schon wissen - Urlaub und Entspannung bringen uns leider alle nicht zum Ziel. Meine Eileiter lachen mich da wohl eher aus ;-). Na ja, aber wenigstens läuft dann mal eine Sache in meinem Leben rund. Immerhin. Vorher war es ja auf ganzer Linie eine Vollkatastrophe.

Ich habe letzte Woche mit meinem Vorzyklus gestartet. Es geht Ende Mai auch wieder bei mir los. Und ganz ehrlich: ich habe so was von gar keinen Bock auf diese Behandlung. Mir sträuben sich die Nackenhaare bei dem Gedanken daran, dass ich mir demnächst wieder die ganzen Spritzen reinjagen darf. Dass ich wieder voller Hormone bin. Dass mein Bauch wieder riesig wird und ich die letzten Tage vor der Punktion am liebsten nicht mehr zur Arbeit gehen möchte. Dass ich Stimmungsschwankungen haben werde (die vermutlich noch schlimmer als zuvor sind, weil ich ja noch mehr Hormone bekomme).
ABER: keine Behandlung ist für uns momentan einfach keine Option. Ich habe ganz, ganz tief in mich hineingehorcht, ob ich das wirklich noch mal alles über mich ergehen lassen möchte. Und ja, die Antwort kam direkt und ganz klar auf mich zu und sprang mich förmlich an: ich will es noch einmal versuchen! Egal, wie ätzend der Weg zum gewünschten Ziel ist. 

Ich habe mir zwischen der letzten Behandlung und der nächsten ja einen zusätzlichen Monat Pause gegönnt. Dieser eine Monat Pause war so wunderbar und kam mir wie eine Ewigkeit vor. Ich kann allen Mädels da draußen aus tiefstem Herzen wirklich nur empfehlen, sich mal einen zusätzlichen Monat zu gönnen. Ich hätte das selber nicht gedacht. Aber ich habe den Kinderwunsch ganz weit weg geschoben, nur an wenigen Tagen eure Blogs und diverse Kinderwunsch-Foren gelesen. Und das tat so unheimlich gut, sich nicht mehr so intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen. Das Leben einfach mal wieder zu leben. Abends nicht mehr weinen zu müssen, weil ich mich wieder zu intensiv mit der Kinderlosigkeit beschäftigt habe. Es war mir auch egal, dass meine biologische Uhr sehr laut tickt. Auf diesen einen blöden Monat kommt es jetzt auch nicht mehr an. Meine Eizellen haben eh schon abgebaut. Da kommt es auf die paar Dinger, die ich im letzten Monat verloren haben mag, auch nicht mehr an.

Ich weiß noch nicht, ob ich meine nächste Behandlung hier kommentieren möchte. Im Moment sagt mir mein Bauchgefühl, dass ich das lassen sollte und keine Blogs und Foren mehr lesen sollte. Mal schauen, was mein Herz in ein paar Wochen sagt. Vielleicht schreibe ich trotzdem was und veröffentliche es einfach nicht. Mal sehen... 

Bis dahin



Freitag, 25. März 2016

Reportage "Alle 28 Tage" von Ina Bormann

Die Meisten von euch kennen ihn sicherlich schon. Die Dokumentation der Regisseurin Ina Bormann, in der sie ihren eigenen Kinderwunschweg dokumentiert.

Ich finde diese Doku außerordentlich gut, weil sie durch die Ich-Perspektive einfach sehr authentisch ist. Die Doku kann noch bis zum 06.04. in der ARD-Mediathek abgerufen werden. Wer die Doku noch nicht gesehen hat, sollte sie sich anschauen.

Hier ist der Link: KLICK

Donnerstag, 24. März 2016

So neue Behandlungspause ist doch auch ganz nett

Da bin ich nun - seit August 2015 endlich mal nicht in einem Vorzyklus, Behandlungszyklus oder Nach-der-erfolglosen-ICSI-Zyklus. Nein, einfach nur ein stinknormaler Zyklus.
Das ist ein gar wunderbares Gefühl - ich fühle mich befreit.

Bevor ich die erste Behandlung angefangen habe, habe ich oft gelesen, dass so eine Kinderwunschbehandlung sehr anstrengend sein soll. Während ich in der Behandlung war, habe ich das gar nicht so wahrgenommen, wie anstrengend das alles ist. Aber dieser Zyklus zeigt mir gerade, wie anstrengend die letzten Monate eigentlich waren und wie ein Leben ohne diesen ganzen KiWu-Mist sein kann.

Im Moment habe ich sehr wenig Lust, mich wieder in die nächste Behandlung zu begeben. Aber, da ist dieser Wunsch, der mich jeden Tag immer stärker begleitet. Jeden Tag werden um mich herum immer mehr Frauen schwanger. Und ich fühle mich so, als wenn ich zurück geblieben wäre. So, als wäre ich vergessen worden. All diese Frauen führen mittlerweile ein anderes Leben. Ein Leben, das ich selber gerne hätte.

Erst heute habe ich mit meinem Lieblingsmann darüber gesprochen: wären unsere Freunde auch noch kinderlos, dann würden wir heute - vor dem Feiertag - bis spät Abends irgendetwas tolles machen. Wir würden gemeinsam etwas trinken gehen, oder Essen gehen, oder sogar tanzen gehen. Oder vielleicht auch in die Nachtvorstellung ins Kino?

Aber, weil wir als Einzige zurückgeblieben sind, werden wir den heutigen Abend alleine verbringen. Weil die anderen alle gerade so kleine Kinder haben, dass sie nichts machen können. Oder sie sind eben schwanger.
Sollten wir irgendwann doch mal schwanger werden, dann haben unsere engsten Freunde das alles schon hinter sich - sind wieder freier und treffen sich wieder. Und bleiben lange weg. Und wir hinken da hinterher. Versteht mich nicht falsch - wenn sich mein Traum erfüllt, bin ich gerne bereit auf die gemeinsamen Abende mit meinen Freunden zu verzichten. Das Absurde ist nur, dass wir eigentlich schon ein 1,5 Jahre altes Kind hätten (wenn die erste SS nicht in der Eileiterschwangerschaft geendet wäre) und wir aktuell vermutlich darüber nachdenken würden, wann wir wohl das zweite Kind planen.

Alles ist so verrückt. So - aus den Fugen geraten. So - nicht nachvollziehbar. So - ach, einfach nur verdammt unfair.

Seit einigen Tagen plagt mich immer wieder diese Frage:
gehören wir zu den 2/3, die erfolgreich aus einer ICSI herauskommen, oder gehören wir zu den erfolglosen 1/3. Und wann hören wir auf damit, wenn auch die nächste nicht klappt?
Sind wir bereit, unseren Traum nach 5 erfolglosen ICSIs aufzugeben. Also dann, wenn wir eigentlich kein Geld mehr haben. Oder wären wir bereit dafür einiges in Kauf zu nehmen: z. B. das Auto zu verkaufen und nur noch mit der Bahn zur Arbeit zu fahren. Oder z. B. auf alle Urlaube zu verzichten? Wie weit würden wir gehen?

Ich kann und will diese Frage zu diesem Zeitpunkt nicht beantworten. Es tut uns einfach nicht gut, wenn wir uns jetzt mit dieser Frage beschäftigen. Wir haben noch einen bezahlten Versuch vor uns und haben definitiv noch Geld für zwei weitere Versuche. Wenn es dann nicht klappt, haben wir vielleicht noch ein ganz anderes Problem. Also, warum sich jetzt schon damit auseinandersetzen?

Letzte Woche waren wir bei unserer Ärztin in der Klinik.
Wir haben die Ergebnisse der Genetik-Untersuchung, die letzte erfolglose ICSI und die anstehende Behandlung besprochen.
Die Genetik-Untersuchung war zum Glück ohne Befund. Aber meine Ärztin meinte hier schon, dass in der Klinik nur bei ganz wenigen Patienten ein negativer Befund herauskommt. Aber wenn, dann ist es für das betroffene Paar natürlich außerordentlich hilfreich.
Bzgl. der letzten ICSI meinte sie auch dieses Mal wieder, dass ich theoretisch hätte schwanger werden können - auch, wenn die Anzahl der reifen Eizellen und die Anzahl der befruchteten Eizellen nicht optimal gewesen seien. Die Ausgangslage war eigentlich gut.
Sie meint, dass sie da bei mir auf jeden Fall noch Optimierungspotenzial sieht und sich die Chancen auf eine SS durch eine Anpassung der Behandlung erhöhen können.

Die nächste Behandlung verläuft daher folgendermaßen:

  • Wir bleiben weiterhin beim Antagonisten-Protokoll.
  • Somit beginne ich die Behandlung wieder mit einem Pillen-Vorzyklus.
  • Fünf Tage nach Absetzen der Pille, starte ich mit 300 Einheiten Gonal F (also noch mal 50 Einheiten mehr als das letzte Mal) und nehme vom ersten Tag an 1 Spritze Luveris. Am fünften oder vierten Tag soll ich dann sogar auf 350 Einheiten Gonal F steigern.
  • Aufgrund der hohen und anderen Dosierung werde ich engmaschig untersucht. 
  • Es besteht bei dieser Dosierung zwar die Gefahr einer Überstimulation, aber sie hat mir mehrere Option genannt, die dann greifen können. Das Antagonisten-Protokoll bietet ihr hier die höchste Flexibilität, um im Notfall agieren zu können. (Leider habe ich die ganzen Argumente vergessen - aber das hörte sich alles sehr plausibel an und Dr. Google hat mir dies bei meinen Recherchen auch bestätigt ;-))


Wann geht es los?
Nach diesem wundervollen Zyklus "ohne Nix", starte ich wieder mit dem Pillen-Vorzyklus. Aber auch nur dann, wenn ich mein Problem mit der Wurzel-Entzündung in den Griff bekommen habe. Ich habe meine Ärztin übrigens auch gefragt, ob die langjährige und unerkannte Entzündung ein Grund für die Nicht-Einnistung sein könnte. Sie meinte, dass das nicht zwangsläufig der Grund sein muss. Aber ausschließen kann sie es auch nicht. Es gäbe sicherlich Wechselwirkungen, die die Medizin bislang nicht kennt. Ob auch eine Wurzel-Entzündung dazu gehört, möchte sie da nicht ausschließen. Ich soll die Zahnbehandlung vor Start der Stimulation aber auf jeden Fall beendet haben.

Ich mache mir dann mal einen gemütlichen Abend, statt auf die Piste zu gehen ;-)
Und ja, ich habe noch Freunde ohne oder mit älteren Kindern. Aber halt nicht in meinem engsten Freundeskreis. Ihr braucht euch also keine Sorgen um mich zu machen. Irgendwer erbarmt sich meiner schon ;-)

Ich wünsche euch erholsame und schöne Ostertage.
Alles Liebe




Mittwoch, 2. März 2016

Von Entzündungen, Einnistungsproblemen, Säuglingen im Büro und Gehirn-amputierten Mami-Bitches

Kann eine Entzündung eine Einnistung verhindern?
Diese Frage stelle ich mir seit einigen Tagen. Warum ich mich das frage, fragt ihr euch sicherlich.
Vor einigen Tagen bescherte mir eine Entzündung in der Zahnwurzel ein paar wunderschöne Tage ... nicht. Aufgrund der Schwere und Tiefe der Entzündung, meinte mein Zahnarzt, dass ich diese wohl schon seit einigen Jahren habe.

Nun stellt sich mir natürlich die Frage, ob eine Entzündung im Körper Grund dafür ist, dass sich bei den letzten beiden ICSI nichts eingenistet hat.
Ich habe Dr. Google bereits ausgiebig gefragt, aber bin da nur in irgendwelchen Foren gelandet. Offizielle Statements von Ärzten oder Wissenschaftlern konnte ich nicht finden. Dennoch bleibt für mich die Frage im Raum, ob da nicht doch ein Zusammenhang besteht. Die Frage nach dem Warum lässt mich auch bei diesem Thema nicht los. Falls es beim nächsten Mal tatsächlich klappen sollte, werde ich auf jeden Fall einen Zusammenhang herstellen ;-) Und bei meinem Lieblingsmann war es ja auch so, dass das Spermiogramm nach Behandlung der lange Zeit unendeckten Zahnentzündung plötzlich wieder IVF-tauglich wurde.

Die Entscheidung, dass ich meinem Körper und meiner Seele ein klein wenig Pause bis zum nächsten Zyklus gönne, bewirkte in meinem tiefsten Inneren irgendetwas positives. Ich war plötzlich viel entspannter und kann seit dieser Entscheidung auch wieder besser schlafen. Letztendlich hätte ich im März sowieso nicht mit dem Vorzyklus starten können, weil meine Wurzelbehandlung noch einige Wochen andauert und ich währenddessen eh nicht schwanger werden darf. Umso besser, dass ich diese Entscheidung nun selbst getroffen habe.

Wie geht es mir sonst so?
Ich habe eigenmächtig und ohne Rücksprache mit einem Arzt, das L-Thyroxin wieder um 10 Einheiten erhöht. Und seitdem bin ich wieder unter den Lebenden. Seitdem bin ich wieder wach, konzentrationsfähig und auch leistungsfähig. Vielleicht war es auch einfach nur meine Schilddrüse, die ein wenig verrückt gespielt hat und mich in einen leicht depressiven Zustand versetzt hat? Wer weiß das schon.

Im Moment nervt mich, dass im Büro derzeit im 2-Tages-Rhythmus uns all die Mütter in Elternzeit mit ihren Neugeborenen besuchen. Nahezu täglich sieht man Kinderwagen in unseren Gängen und hört das Geschrei von Säuglingen. Früher empfand ich diese Besuche immer als sehr euphorisch. Heute frage ich mich, warum Mütter überhaupt ins Büro kommen und ihr Kind vorstellen. Warum macht man das eigentlich? Warum zwingt man all seinen Kollegen sein eigenes Kind auf? Ich sehe da momentan überhaupt keinen Sinn mehr drin. Und ich bin hier auch ganz ehrlich zu euch: diese ganzen neu geborenen Babys interessieren mich momentan auch nicht. Nein - das entspricht nicht der Wahrheit: ich ertrage diese ganzen Säuglinge momentan einfach nicht... Ja, ich weiß. Ich bin ein egoistischer Drache, wenn ich das sage. Aber ich nehme mir auf meinem Blog gerade einfach so heraus, genau das zu sagen.

Genau aus dem gleichen Grund, wie mir andere Frauen diese und letzte Woche folgenden O-Ton ins Gesicht geschleudert haben "Das verstehst du nicht, weil du ja keine eigenen Kinder hast". Bäh. Am liebsten hätte ich geantwortet: "Du dumme Mami-Bitch. Ich verstehe das sehr wohl, denn ich habe bereits zwei Kinder. Aber die leben nicht mehr auf der Erde, sondern bei den Sternen! Noch Fragen?".

Habt ihr diesen Satz auch schon mal gehört? Ich habe ihn insbesondere in den letzten zwei Jahren sehr häufig gehört. Ich bin mittlerweile in einem Alter angelangt, bei dem andere Frauen davon ausgehen, dass ich gewollt kinderlos bin und bleiben möchte. Keine von diesen erfolgreich Baby-produzierenden "Mamis" kommt auch nur mal kurz der Gedanke in den Kopf, dass es da draußen vielleicht Frauen gibt, die keine Kinder bekommen können. Manchmal frage ich mich ernsthaft, ob bei diesen sehr leicht schwanger-werdenden Frauen irgendwie ein Teil des Gehirnes nach der Geburt amputiert wird und jegliche emotionale Intelligenz abhanden kommt. Für diese Frauen gibt es nur noch schwarz (gewollt kinderlose Frauen) und weiß (Frauen, die Kinder sehr gerne gebären). Und alle Frauen, die ins schwarze Raster fallen, sind böse. Punkt. Aus. Nix mit mal über den Tellerrand schauen oder so. Nö. Nö.

So - und bevor jetzt ein Riesenaufschrei kommt. Natürlich weiß ich, dass es auch clevere Mamis gibt. Die findet man glücklicherweise in meinem Freundeskreis. Aber es gibt halt auch diese einfältigen und eingeschränkten Mami-Bitches. Solch eine Mami-Bitch habe ich kürzlich auch darüber reden hören, wie sie die künstliche Befruchtung als abartig bezeichnet hat und mit dem klugen Spruch kam "Ja, wenn die Natur das halt nicht für diese Personen vorgesehen hat, dann sollen sie das halt akzeptieren". Und dann noch meinen Lieblingsvorschlag: "... Oder adoptieren. Es gibt so viele Kinder, die keiner haben will. Das mit der künstlichen Befruchtung ist einfach eine echt egoistische Angelegenheit".

Auch diese beschissenen Sprüche kann ich nicht mehr hören. Genauso wenig wie, dass man sich mal entspannen soll. Der allergeilste Vorschlag kam übrigens kürzlich von meiner allerbesten Freundin (die ich eigentlich sehr, sehr mag): Ich sollte mich einer homöopathischen Behandlung unterziehen. Wenn die Medizin mir nicht weiterhelfen kann, dann aber bestimmt die Homöopathie. Äh, nein. Leider musste sich meine Freundin dann einen 5-Minütigen Monolog von mir anhören. Meine Geduld ist gerade einfach am Ende. Ich bin genervt.

Wisst ihr, was ich mir sehnlichst wünsche? Endlich offen darüber sprechen zu können.
Ich will, dass das Ganze endlich ein Ende hat. Egal wie es ausgeht.
Ich will nicht mehr lügen.
Ich will nicht mehr schweigen müssen, wenn dumme Menschen unqualifizierte Kommentare abgeben.
Ich will andere auflaufen lassen vor großen Runden, wenn sie mir wieder mal einen dummen Kommentar an den Kopf werfen à la "du verstehst das nicht, weil du keine Kinder hast" oder "du hast ja keine Kinder".
Ich will laut und vor allen antworten wollen, dass ich ungewollt kinderlos war oder bin.
Ich will anderen Frauen damit den Rücken stärken, wenn sie sich gerade selber in so einer Behandlung/Situation befinden.
Ich will dieses verdammte Tabu brechen - in allen Situationen/Lebensbereichen.

Aber momentan kann ich das nicht.
Es würde mich unnötig unter Druck setzen.
Es würden ungewollte Fragen aufkommen.
Es könnten unnötigerweise Wunden aufgerissen werden.
Ich müsste Energie für Menschen aufwenden, die es nicht verdient hätten.
Energie, die ich zurzeit dringend selber benötige.

Und da stehe ich wieder - ganz am Anfang. Die Ziellinie, die ich gerne erreichen möchte, vor den Augen. Aber komme ich da jemals an? Ich erkenne auch nicht wirklich, wie weit sie tatsächlich entfernt ist. Ist der Weg zum Ziel noch ganz weit oder in greifbarer Nähe?

Ich habe mich vor einigen Tagen das erste Mal intensiver mit Plan B auseinandergesetzt und im Internet recherchiert. Plan B sind Adoption oder Pflegekinder. Adoption können wir eigentlich schon ad acta legen, weil wir dafür entweder zu alt sind oder es einfach viel zu teuer ist. Also bliebe "nur" noch die Pflegekind-Option. Es war schon sehr komisch, sich über diese Option zu informieren. Aber irgendwie hat es mich auch ein wenig beruhigt. Dass wir auch nach mehreren gescheiterten Versuchen vielleicht nicht ganz optionslos übrig bleiben müssen.
Im Moment werde ich noch nicht ganz warm mit diesem Gedanken, aber es schreckt mich auch nicht ab. Das zeigt mir, dass es tatsächlich eine Option sein könnte. Dennoch hoffe ich weiterhin, dass es vorerst nicht dazu kommen wird. Und dass wir zu denjenigen "egoistischen Menschen gehören, die nur ihr eigenes Erbgut verbreiten wollen" (Zitat Ende von Mami-Bitch ;-).