Freitag, 9. Januar 2015

Nur noch 18 Tage...

... dann wärest du vermutlich auf die Welt gekommen. 

Wir hätten dich willkommen geheißen und uns riesig über dich gefreut.

Ich habe dein Herz auf dem Ultraschall schlagen sehen. Du hast gelebt und wurdest mir nur wenige Stunden später wieder entfernt.

Schade, dass du nicht einen Zentimeter hättest weiter gehen können, denn dann würdest du in wenigen Tagen in meinem Armen liegen und nicht in einem - vermutlich liebevoll gestalteten - Grab.

Das katholische Krankenhaus hat dich und dein Geschwisterchen beerdigen lassen. Leider waren dein Vater und ich nicht in der Lage, bei der gemeinsamem Beisetzung von dir und deinem Geschwisterchen dabei zu sein. Aber irgendwann werden wir euch besuchen - ganz sicher.

Mir geht es zurzeit nicht gut. Ich bin krank und die Ärzte Wissen nicht, was es ist. Ich frage mich, ob es die Sehnsucht nach dir und deinem Geschwisterchen ist, die gerade ihre Symptome zeigt.

Irgendwann werden wir uns wieder sehen. Ganz sicher. Nicht heute, nicht morgen und hoffentlich auch nicht in nächster Zeit. Aber irgendwann werde ich dich in meine Arme nehmen können. Darauf freue ich mich.

Samstag, 3. Januar 2015

Tabuthema Fehlgeburt - Wiebke Lorenz bei Plasberg persönlich

Gestern Abend sah ich ganz spontan ein Best of der Sendung "Plasberg persönlich" auf dem WDR.

Und dann war sie plötzlich da: die Autorin Wiebke Lorenz, die in einer öffentlichen Sendung über ihre vier Fehlgeburten sprach. Ich war sprachlos: wieviel Mut muss es diese Frau gekostet haben, über diesen Verlust in so einem öffentlichen Raum zu sprechen?

Wiebke Lorenz hat jedoch mehr als ihre vier Sternenkinder verloren. 

So erzählte sie, dass ihre Ehe diese vier Sternenkinder nicht verkraftet hat - und das, obwohl sie sogar eine Eheberatung aufgesucht hatten. Die Eheberaterin teilte ihnen allerdings auch mit, dass es bei Partnerschaften mit Sternenkindern in der Regel nur Schwarz und Weiß gäbe: entweder, diese Erfahrung schweißt das Paar intensiver zusammen oder aber, sie zerbrechen daran.

Zudem beschrieb sie aber auch sehr intensiv ihre Ängste und ihre Nervenzusammenbrüche. Sie schilderte sehr gut, wie sie nach jeder Fehlgeburt einfach nur weiter funktionierte und nicht mehr auf sich selbst achtete. Und wie sie sich zu guter letzt in eine Psychiatrie einweisen ließ, aus Angst den Kindern ihrer Schwester etwas anzutun.

Sehr eindrucksvoll wies sie darauf hin, wie unsensibel bspw. die Presse damit umging, dass ihre Schwester bereits vier Kinder hat, sie aber wohl nach wie vor die Partymaus sei. Und wie gern sie gesagt hätte, dass sie eigentlich auch Kinder hätte, sie aber nur Fehlgeburten erlitt. Und dass sie niemandem mehr diese indiskrete Frage stellen würde, ob jemand denn Kinder haben wolle bzw. warum er denn noch keine habe.

Ich war den Tränen nahe, als sie über die Diagnose ihrer ersten Fehlgeburt berichtete und sie diese nicht wahrhaben wollte. 

Auch sie erzählte, dass in ihrem Leben immer alles nach Plan verlief. Und plötzlich war da etwas, was sie selber nicht mehr beeinflussen konnte. Auch sie hatte durch diese Erfahrung gelernt, demütig zu werden. 

Zu guter Letzt hatte ihr eigenes Schicksal jedoch ein Happy End für sie bereit: sie wurde schwanger und brachte ein gesundes Kind zur Welt. Ob eine künstliche Befruchtung im Spiel war, erwähnte sie nicht.

Frau Lorenz, ich danke Ihnen für Ihren Mut dieses Thema so offen anzusprechen - mit all den unangenehmen Details! Durch Frauen wie Sie, wird dieses Thema vielleicht einmal irgendwann mal kein Tabu mehr sein! Ich hoffe, dass Ihnen noch weitere prominente Frauen folgen werden.

Ich für meinen Teil habe vor einigen Wochen beschlossen, dass ich irgendwann darüber sprechen werde. Sollte ich dieses Kapitel einmal abgeschlossen haben - ob mit oder ohne Kind(er) - werde ich es nicht bis zu meinem Lebensende verschweigen. Ganz im Gegenteil, ich werde sehr offensiv damit umgehen. Zumindest über meine beiden Sternenkinder (die hoffentlich die einzigen bleiben werden). Ob ich jemals offen über die künstliche Befruchtung sprechen werde, kann ich noch nicht absehen.

Wer sich die komplette Sendung von Plasberg persönlich mit Wiebke Lorenz und ihrer Schwester anschauen möchte, findet sie noch auf der Website vom WDR: 
http://www1.wdr.de/fernsehen/unterhaltung/plasberg_persoenlich/sendungen/oktoberplasbergpersoenlich100.html





Donnerstag, 1. Januar 2015

Herzlich Willkommen 2015

Liebes Jahr 2015,

herzlich Willkommen, du vielversprechendes Jahr 2015. Wir haben sehr viel Hoffnung in dich gelegt und hoffen, dass du uns nicht enttäuschen wirst.

Das Jahr 2014 haben wir heute Nacht mit vielen und teuren Sylvester-Raketen verbannt und hoffen, dass damit auch die bösen Geister verschwunden sind.

Du fängst schon sehr vielversprechend an - mit deinem wunderschönen Sonnenwetter. Sind das vielleicht schon die Vorboten für bessere Zeiten?

Ich setze ganz viel Vertrauen in dich und hoffe, dass du mich nicht enttäuschen wirst. In 2015 möchte ich keine weiteren Sterne hinzubekommen. 

Lass uns beide unsere Hände reichen und die kommenden 12 Monate gemeinsam bestreiten, liebes Jahr 2015. Es könnte wundervoll werden, wenn wir nicht gegeneinander arbeiten.

Liebe Grüße
Lisa

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Weihnachten

Dieses Jahr, war ein besonderes Jahr. Besonders deshalb, weil es schmerzhaft war und weil ich gemerkt habe, dass man auch aus noch so tiefen Löchern wieder herauskriechen kann.
Das Schicksal kann mir nicht mehr so viel anhaben. Es kann mich noch so demütigen oder mich auf den Erdboden zerren - es wird mich nicht klein bekommen. Ich werde mich immer wieder aufrichten können - egal, wie schwer die Verletzungen und Schmerzen auch sein mögen.

Dieses Jahr hat mich gelehrt demütig zu sein. Ich habe gelernt, das Leben nicht mehr als Selbstverständlichkeit anzusehen. Es ist nicht selbstverständlich, in einer Demokratie und dadurch in Freiheit und Frieden zu leben. Es ist nicht selbstverständlich, einen gut bezahlten Job zu haben und in einer guten Wohngegend zu wohnen. Es ist nicht selbstverständlich, jeden Tag ein warmes Essen mit hochwertigen Lebensmitteln essen zu können. Und es ist eben auch nicht selbstverständlich, dass man gesund ist und Kinder bekommen kann. 

Ich habe vor diesen ganzen Ereignissen oftmals voreilige Schlüsse gezogen, Menschen und deren Lebensentscheidungen und Lebensweisen kritisiert oder schlecht gemacht, weil ich nur in schwarz und weiß gedacht habe. Nie ist mir in den Sinn gekommen, dass es da vielleicht auch Grauzonen gibt, über die man einfach nichts wusste.

Ich lebe jetzt auch in dieser Grauzone, über die nur wenige Bescheid wissen. Viele Menschen urteilen über mich und verurteilen mich nun auch, weil sie nur das Schwarze oder Weiße sehen. Aber über die Grauschattierungen werde ich sie nicht informieren.

Irgendwann wird für alle Menschen einmal der Tag kommen, an dem Ihnen die Augen geöffnet werden und sie endlich in der Lage sind, die Grauzonen sehen zu können. 

Ich bin froh, dass ich sie nun endlich sehe - alle Graunuancen. Ich habe es nun endlich verstanden!

Ich wünsche euch allen ein wunderschönes Weihnachtsfest - genießt die Farbenpracht in all ihren Nuancen!

Montag, 15. Dezember 2014

Die Sache mit Weihnachten

Letztes Jahr um diese Zeit waren mein Lieblingsmann und ich der felsenfesten Überzeugung, dass wir im nächsten Jahr schon zu dritt unter dem Weihnachtsbaum sitzen. Tja, theoretisch hätte das auch hingehauen. Denn schließlich war ich im Januar schon schwanger. Aber wie das Ganze endete, wisst ihr ja.

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, als ich schon im November in euren Blog las, dass die Weihnachtszeit für uns Kinderwunschlerinnen eine schreckliche Zeit ist. Im November dachte ich noch, dass ich ganz souverän und ohne einen einzigen Gedanken an den Kinderwunsch an der Weihnachtszeit vorbei spaziere. Aber dem ist ganz und gar nicht so.

Am Wochenende war ich in der Metro einkaufen und bin durch die hiesige Spielzeugabteilung gegangen. Natürlich hielten sich in der Abteilung auch viele Familien mit ihren kleinen Kindern auf, die ganz aufgeregt ihre Weihnachtswunschlisten angepasst haben ;-) 

Auf den Weihnachtsmärkten sehe ich viele frischgebackene Eltern mit ihren winzigen Säuglingen vorbeihuschen. Man erkennt das Glück dieser "frischen" Eltern und den Großeltern immer wieder in den Augen. Das große Glück, dass sie in diesem Jahr "vollständig" ihr Weihnachtsfest feiern können.

Die Werbung im Fernsehen, die nur glückliche Familien - meist mehrere Generationen - zeigt. Warum verbindet man ein glückliches Weihnachtsfest immer mit einer großen Familie inklusive Kinder? 

Auf der Arbeit berichten mir die Kollegen von den Weihnachtsfeiern und -Ritualen mit ihren Kindern.

Meine beste Freundin aus Kindheitstagen feiert ihr erstes Weihnachten mit Kind.

Für meine Nichten und Neffen suche ich nach schönen Geschenken und stelle Weihnachtstüten zusammen.

Gestern habe ich unseren Weihnachtsbaum geschmückt - nur für uns zwei.

In diesem Jahr habe ich einem Flüchtlingskind seinen Weihnachtswunsch erfüllt und hoffe, dass es dadurch ein klein wenig glücklicher ist am Heiligen Abend.

Keine Ahnung warum, aber es scheint an der Jahreszeit zu liegen. Auf einmal stellen nicht eingeweihte Freunde, Bekannte und Kollegen Fragen oder treffen Aussagen, die auf die Kinderlosigkeit zielen.

Das alles verursacht einen immer stärkeren Schmerz in der Magengrube. 

Ich könnte das alles ertragen, wenn ich die Gewissheit hätte, dass wir im nächsten Jahr zu Weihnachten auch vollständig sind. 

Ich würde es eher ertragen können, wenn in diesem Jahr meine zwei Sternenkinder nicht an meiner Seite wären. 




Dienstag, 9. Dezember 2014

Nur noch 22 Tage...

... dann ist dieses miese Jahr endlich beendet. Pünktlich um 0:00 des neuen Jahres, werde ich 2014 den Stinkefinger zeigen, ihm noch einmal kräftig, aber richt kräftig, in den Allerwertesten treten und mit einem richtig festen Tritt einen Tiefen Abhang herunter stürzen lassen. Danach werde ich viele große Holzäste anzünden und dem Jahr 2014 hinterherwerfen. Auf das es sich anzündet und vollständig verbrennt. Es darf nichts mehr, als Staub zurück bleiben, von diesem widerlichen und miesen Verräter. Zum Schluss werde ich ein kleines Loch graben, den ganzen Staub dort einbuddeln und wieder ganz feste mit Erde bedecken. Und last but Not least, werde ich immer wieder auf die Stelle treten, einen Freudentanz tanzen und meine Stinkefinger in Richtung "Grab" richten.

Jawoll, liebes Jahr 2014. Das werde ich mit dir machen. Komm bloß nicht auf die Idee, von den Toten aufzuerstehen oder in der Seele von 2015 weiterzuleben. Ich will dich nämlich nie wieder sehen - auch nicht in meinen Träumen. Bleib einfach von mir weg. Ziehe noch deine letzten Runden, aber bitte ohne mich. Für mich hast du in diesem Jahr schon genug getan - und zwar nur schlechtes. 


Dienstag, 2. Dezember 2014

Schöne Worte - "Wiederfinden"

"Denn wenn etwas uns fortgenommen wird, 
womit wir tief und wunderbar zusammenhängen, 
so ist viel von uns selber mit fortgenommen. 
Gott aber will, daß wir uns wiederfinden, 
reicher um alles Verlorene und vermehrt um jeden unendlichen Schmerz."

- Rainer Maria Rilke