Dienstag, 18. Oktober 2016

Stimulationstag 6: Hurra - es geschehen noch Zeichen und Wunder

Waaaah - dass ich das in meiner Kinderwunsch-Karriere erleben darf. Heute Morgen bin ich in meiner Kinderwunschklinik fast aus dem gynäkologischen Stuhl gefallen.

Aber jetzt mal von vorne. Wie ich euch das letzte Mal bereits geschrieben habe, habe ich dieses Mal ein anderes Protokoll. Und zwar das Lange Protokoll. Es war von Anfang an ein Risiko dieses Protokoll durchzuführen, weil meine Hormonwerte eigentlich eine andere Sprache sprechen. Meine Hormonwerte sagen eigentlich "wenn du das lange Protokoll machst, dann wirst du entweder eine heftige Überstimulation bekommen oder überhaupt nicht auf die Stimu reagieren". Das hat mir sowohl meine behandelnde Ärztin gesagt als auch der Repro-Arzt, bei dem ich nach einer Zweitmeinung gefragt habe. Meine Ärztin meinte jedoch, dass sie das Risiko eines Long Protokolls gerne einmal mit uns eingehen würde. Denn laut Hormonwerte, hätte ich auf das Antagonisten-Protokoll sehr gut reagieren müssen. Und weil ich das nicht tat, hat meine Ärztin mit jeder ICSI die Dosis von Gonal F erhöht und am Ende sogar durchgehend Luveris gegeben. Das Ergebnis war jedes Mal eher zermürbend. Die Folikel sind extrem langsam gewachsen und dann noch nicht mal gleichmäßig. Ich habe immer überdurchschnittlich lange 13 Tage mit Höchstdosen stimuliert. Und am Ende hatten die Eizellen dann auch noch eine miese Qualität. Selbst meine Ärztin hat das immer etwas zermürbt.

Am Donnerstag war mein erster Stimulationstag und zwei Tage zuvor war ich bereits zur Blutuntersuchung in der Klinik. Meine Werte waren so gut wie noch nie vor Beginn einer Stimu. Meine Ärztin hatte eigentlich auch fest damit gerechnet, dass ich von Anfang an wieder Luveris benötigen würde - aber auch mein LH-Wert war am Dienstag so gut, dass ich das gar nicht brauchte. Die ersten Tage der Stimulation wurden dann natürlich - wie immer - von Kopfschmerzen begleitet.

Heute war ich dann wieder in der Klinik zum ersten Ultraschall-Termin. Komisch fand ich in den letzten Tagen bereits, dass ich meine Eierstöcke schon recht früh gespürt habe und ich bereits einen angeschwollenen Bauch habe. Ein Zustand, den ich bei meinen letzten - doch sehr langen - Stimulationen erst kurz vor der Punktion hatte. Ich hatte zwar gehofft, aber heute Morgen nichts erwartet. Und dann saß ich da auf dem Gyn-Stuhl. Meine Ärztin hatte eigentlich auch wieder das gleiche Bild wie immer bei mir erwartet und war dann selbst ganz erschrocken. Auf jedem Eierstock haben sich tatsächlich jeweils 6 gleich große Follikel gebildet mit einer unglaublichen Größe von 10 Milimeter. So gut und so schnell haben sich meine Follikel noch nie entwickelt. Wir waren beide völlig aus dem Häuschen, dass ich so wahnsinnig gut auf die Stimulation angesprochen habe. Wenn die Follikel so weiter wachsen, werde ich voraussichtlich am Montag die Punktion haben. 

Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, dass ich meine Punktion bereits so früh haben werde. Daher habe ich noch alle wichtigen beruflichen Termine bis Anfang nächster Woche gelegt. Und dann wollte ich mir ab Mittwoch Urlaub nehmen. Das kann ich jetzt mal komplett knicken. Und Urlaub bekomme ich Anfang nächster Woche wegen dieser Termine auch nicht genehmigt. Somit hat sich dann auch die Entscheidung revidiert, dass ich mich dieses Mal nicht krankschreiben lasse. Zuerst habe ich mich richtig geärgert, weil ich mich nicht krankschreiben lassen wollte. Aber jetzt ist es halt so. Ich kann es nicht ändern. Tja, das ist Leben das was passiert, während man Pläne macht, gell? 

Ich bin so aus dem Häuschen. Klar, dass meine Eizellen sich gut und schnell entwickeln sagt noch gar nichts über den Ausgang dieser Behandlung. Aber wir sind endlich mal einen Schritt weiter gekommen. Meine These ist ja auch, dass meine Eizellen deswegen auch immer so eine schlechte Qualität hatten, weil sie immer so überdurchschnittlich lange und hoch stimuliert werden mussten.
Aber natürlich hoffen mein Lieblingsmann und ich nun, dass sich jetzt mehr Eizellen als sonst befruchten lassen und wir auch mal Eizellen in einer guten Qualität transferieren können. Drückt uns bitte ganz feste die Daumen, dass wir dieses Mal einfach ein kleines Quäntchen mehr Glück haben als sonst.

Heute Abend waren mein Lieblingsmann und ich eigentlich auf einen Geburtstag eingeladen. Ich habe nun aber abgesagt, weil mein Bauch der einer schwangeren Frau im 5. Monat gleicht. Es ist mir auch nicht möglich den Bauch einzuziehen. Und das Sitzen in engen Hosen (die ich eigentlich nur im Kleiderschrank habe) ist nicht gerade ein Vergnügen. Ich hatte zuerst ein wenig Angst davor, dass das die Vorboten einer Überstimulation sind. Aber sowohl meine Ärztin als auch Dr. Google sagen, dass da kein Zusammenhang besteht, sondern das Anschwellen eine Reaktion auf die Überstimulation ist. Ich klopfe jetzt einfach mal ganz feste auf Holz und hoffe, dass mir eine Überstimulation erspart bleibt.

Mein Lieblingsmann und ich waren schon sehr lange nicht mehr so gut gelaunt wie heute. Endlich mal eine gute Nachricht in Sachen Kinderwunschweg. So etwas brauchten wir ganz dringend.

Ich melde mich die Tage wieder. Drückt mir bitte ganz feste die Daumen, dass die Follikel auch weiterhin so schön wachsen wie jetzt :-)

Montag, 10. Oktober 2016

Mitten im Synarela-Tief

Jetzt bin ich wieder komplett mittendrin - im Kinderwunschzirkus.

Im Gegensatz zu den letzten drei Behandlungen, in denen immer das Antagonisten-Protokoll angewendet wurde, kommt dieses Mal das Lange Protokoll zum Einsatz.

Mein Vorzyklus mit der Pille startete diesmal am 17. September (3. Zyklustag) und am 01. Oktober startete ich die Downregulation mit Synarela (2x 2 Hübe). Wegen meiner hohen Antikörper durch den Hashi, soll ich diesmal auch täglich eine Tablette (5 mg) Prednisolon nehmen.

Im reinen Pillen-Zyklus ging es mir blendend. Auch die ersten Tage der Downregulation überstand ich mit links und dachte - naiverwaise - , dass die Downregulation wohl ein Spaziergang für mich wird. Aber nein, letzte Woche kamen sie dann - meine besten Freunde in der Kinderwunschzeit: die Nebenwirkungen. Migräne und Übelkeit vom Feinsten. Zum Glück hielten diese (bis jetzt) aber nur einige Tage an. Seit gestern ist die Migräne glücklicherweise wieder verschwunden.

Am Freitag, also den 07.10., hatte ich den letzten Tag der Pilleneinnahme. Keine Ahnung, ob das mit dem Wegfall der Pille zusammenhängt, aber heute habe ich das Gefühl so richtig im Hormontief zu sein. Alles ist blöd. Freude empfinden, lachen können - no way.

Man sagt ja, dass Synarela einen künstlich in die Wechseljahre versetzt. Wenn das die Wechseljahre sind, dann möchte ich die ganz ehrlich nicht erleben. Am allerliebsten würde ich mich krankschreiben lassen, weil ich momentan nichts auf die Reihe bekomme. Letzte Woche ging es mir so schlecht, dass ich auf der Arbeit nur anwesend war. Heute habe ich aufgrund meines Stimmungstiefs - glaube ich - eine Kollegin missverstanden und mich angegriffen gefühlt. Ich bin mir da aber nicht sicher - hat sie wirklich die Grenze überschritten oder bin ich im Moment einfach nicht mehr zurechnungsfähig? Bin ich gerade vielleicht einfach nur hypersensibel? Das ist ein unhaltbarer, unerträglicher Zustand. Was ist Realität und was ist da alles auf die falsche Wahrnehmung durch die Hormone zurückzuführen?

Ich sitze gerade vor dem Rechner, weil ich mich mit meinem Mann gestritten habe. Auch hier bin ich mir gerade unsicher - habe ich Unrecht oder ist meine Sicht der Dinge die richtige? Ich weiß es gerade nicht mehr. Und anstatt jetzt drei Stunden weiterzustreiten habe ich den Streit abgebrochen und mich nörgelnd vor den Rechner gesetzt.

Oh man - jetzt habe ich ein echt neues Stadium von meiner Kinderwunsch-Karriere erreicht. Willkommen in meiner neuen Dimension des Kinderwunsch-Zirkus. Treten Sie ein und nehmen Sie teil. Nirgendwo sonst werden sie spannendere und schizophrenere Zustände erleben. Hereinspaziert, hereinspaziert - der Eintritt ist frei. Seien Sie live dabei, wie ich geradewegs und mit voller Wucht gegen eine Wand laufe. In wenigen Tagen ist es schon so weit.

Während ich hier so nörgelnd sitze, schießen mir fast die Tränen in die Augen. Ich würde am liebsten schon seit heute Nachmittag weinen, aber ich reiße mich zusammen. Wenn ich anfangen würde zu weinen, würde ich einen Heulanfall bekommen und da erst mal nicht mehr rauskommen. Und ich sehe das gerade nicht ein, mich auf diesen Wein-Drang einzulassen, weil ich noch nicht mal wüsste, warum ich da eigentlich weinen möchte. Einfach nur so weinen, weil einem zum Weinen zumute ist? Das ist doch total irrational.

Zum Glück sagt mir Dr. Google, dass ich nicht irre bin. Stimmungsschwankungen beschreiben viele Synarela-Anwenderinnen. Willkommen in meinem Club - ich hoffe, dass auch noch andere Club-Mitglieder durch eine Google-Suche auf diesen Blog-Eintrag kommen. Ihr seid nicht allein ;-)

Ab morgen starten dann auch wieder die regelmäßigen Besuche in der KiWu-Klinik. Folgende Termine sind bislang geplant:

Dienstag, 11.10.:       Blutabnahme
Donnerstag, 13.10.:  Ultraschall, Blutabnahme, Stimulationsbeginn mit Gonal F & Luveris
Dienstag, 18.10.:      Ultraschall, Blutabnahme

Wenn ich auch dieses Mal wieder 13 Tage stimuliere, wäre am Donnerstag, den 27.10. die Punktion.

Im Moment bin ich noch hin- und hergerissen, ob ich mich krankschreiben lassen soll oder Urlaub nehme. Aktuell tendiere ich eher dazu, Urlaub zu nehmen. Dann kann ich mich wenigstens uneingeschränkt bewegen und die Tage bspw. auch für Kinobesuche, Cafe-Besuche, Shopping oder ähnliches nutzen. Klar - der Tag für die Punktion und die 2 Tage danach sind dann leider verschenkt. Aber was solls. Blöd ist nur, dass ich die Urlaubstage noch nicht konkret einreichen kann, weil ich ja halt nicht weiß, wann die Punktion stattfinden wird. Alles sehr blöd.

Ich bin gespannt, auf welche Kosten wir dieses Mal kommen werden. Da wir ja Selbstzahler sind, haben wir natürlich Preise verglichen. Einzig Gonal F konnten wir im Ausland (Belgien) deutlich billiger kaufen. Synarela haben wir in unserer Apotheke als Re-Import günstiger bekommen. Und Luveris werde ich auch noch hier in Deutschland kaufen. Das ist im Ausland wohl nicht günstiger.

Ansonsten haben mein Lieblingsmann (den ich wegen unseres Streits gerade doof finde) und ich uns fest vorgenommen, diesen Versuch wieder positiv gestimmt anzugehen. Wir glauben dieses Mal ganz fest daran, dass er gut ausgehen wird. Wir wollen diesen ganzen negativen KiWu-Mist, der ja auch unsere Ehe vergiftet hat, dieses Mal keinen Raum geben. Schauen wir mal, wie lange das anhält. Heute hat das ja nicht so gut geklappt...

Ich werte mein Stimmungstief jetzt aber einfach mal positiv: die Downregulation scheint also zu klappen, so dass ich am Donnerstag wohl auf jeden Fall mit der Stimu beginnen kann (die Gefahr besteht aktuell ja auch noch).

Ich melde mich die Tage wieder. Und bin bis dahin wieder hoffentlich gut gelaunt. Dr. Google zu urteilen, geht die Stimmung ab Stimulation wohl auch wieder nach oben.

Alles Liebe euch!









Freitag, 16. September 2016

Jetzt ist wieder alles ok ;-)

So - viele Urlaubstage später geht es mir  - äh nein uns - wieder verdammt gut.

Eigentlich haben wir wegen der anstehenden ICSI(s) kein Geld, um einen langen und kostenintensiven Urlaub zu machen. Aber wir haben es trotzdem gemacht. Teure Hotels, viele Restaurantbesuche und andere kostenintensive Kinkerlitzchen haben wir uns gegönnt. Und es war die beste Entscheidung, die wir seit der ersten Eileiterschwangerschaft getroffen haben, also seit 2,5 Jahren.

Wir haben nicht als Kinderwunschpaar Urlaub gemacht, sondern als kinderloses Paar. Und es war fantastisch. Wir haben es genossen, dass wir ausschlafen konnten, keine Rücksicht auf ein Kind nehmen mussten, so lange ausbleiben konnten wie wir wollten, so viel trinken konnten, wie wir wollten.

Die letzten 2,5 Jahre haben Wracks aus uns gemacht und uns voneinander entfernen lassen. Dieser Urlaub hat uns fast wieder in unseren ursprünglichen Zustand als Paar zurückgebracht. Wir haben viele gute Gespräche geführt und uns nahezu wieder gefunden. Nahezu deshalb, weil wir uns schlichtweg verändert haben. Dieser Weg hat uns verändert. Ich glaube, wir sind beide etwas darüber erschrocken, wie dieser Weg uns verändert hat. Aber wir müssen das nun annehmen. Wir können nicht mehr zurück. Es gibt nicht mehr den Weg zurück, vor der ersten Eileiterschwangerschaft. Wir haben den Point Of No Return erreicht. Wir sind beide in den letzten Monaten planlos durchs Universum geflogen. Nun habe ich den Eindruck, dass wir beide wieder auf der Erde angekommen sind. Der Gedanke an "Scheidung" ist eigentlich verschwunden (obwohl er in den letzten Monaten immer präsenter wurde). Klar, bei mir blitzt er auch nach dem Urlaub hin und wieder noch auf, weil ich mir die Frage stelle, was unsere Beziehung in der Lage ist auszuhalten. Schafft sie den bevorstehenden Weg noch? Werden wir bis zum Ende am gleichen Strang ziehen oder macht einer vorher Schlapp? 
Diese Frage wird mir niemand beantworten können. Aber das ist aktuell nicht die einzige Frage, die beantwortet werden kann. Leider...

Auch gesundheitlich geht es mir wieder sehr gut. Ich habe L-Thyroxin erhöht und meine Vitaminspeicher ordentlich aufgefüllt. Mal abgesehen davon, dass ich ohne Ende Vitamin D durch endloses Sonnentanken aufgeladen habe ;-)

Und daher habe ich die Entscheidung getroffen, dass ich den guten Flow nutzen möchte, um in die nächste Behandlung einzusteigen. Der Vorzyklus (Pille) hat bereits begonnen. Und ab dem 01.10. - also bereits während des Vorzyklus - nehme ich erstmalig noch Synarella (da ich diesmal das Longprotokoll mache) und auch erstmalig Kortison, wegen der sehr hohen Antikörperwerte. Meine Ärztin meinte, dass sie das mit dem Kortison gerne einmal bei mir ausprobieren möchte. Ich habe auch gelesen, dass dies die SS-Rate ggf. erhöhen kann bei Hashi-Frauen. Ab dem 13. Oktober stimuliere ich dann wieder mit Gonal F und Luveris. Auch Heparin soll ich wieder nehmen. (Ich habe übrigens gelesen, dass Frau Reichel-Frentz, dies wohl auch bei Hashimoto empfiehlt).

Zudem habe ich wegen des Lichens sclerosus und Hashimoto auch meine Ernährung umgestellt und tatsächlich Verbesserungen feststellen können. Nach langem herumexperimentieren (vegan, vegetarisch, ohne Milchprodukte, glutenfrei, Paleo etc.) habe ich tatsächlich einen Zusammenhang zwischen meinen Lichens Sclerosus-Schüben und einer bestimmten Ernährungsweise feststellen können. Wenn ich Getreide, Zucker und Alkohol komplett weglasse, habe ich keine Schübe mehr. Sobald ich eines dieser Lebens/Genussmittel mehr als zwei Mal pro Woche zu mir nehme, folgt unweigerlich ein Entzündungsschub und der Schrumpfungsprozess meiner Vag*na geht weiter voran. Mit Hashimoto kann man leben - es ist extrem ätzend, aber es geht. Aber LS beeinträchtigt mein Leben, meine Sexualität. Ich verfluche alle Ärzte, die mir weismachen wollten, dass ich nichts dagegen tuen kann. Ich kann alle Lichens sclerosus-Geplagten nur empfehlen, auch mal mit der Ernährung herumzuexperimentieren. Falls es nur bei einem von 10 Erkrankten etwas bringt, dann hat dieser Post schon etwas gebracht. Ich werde zu diesem Thema auch noch mal einen eigenen Bereich hier in diesem Blog einrichten, weil sehr viele Leser wegen LS zu meinem Blog kommen.

Aber jetzt wieder zurück zur KiWu-Behandlung:
Und für diese Behandlung haben wir uns fest vorgenommen, wieder positiv an die Behandlung zu gehen. Das letzte Mal sind wir völlig emotionslos an die Begandlung gegangen, weil wir nicht wieder enttäuscht werden wollten. Das tat uns beiden überhaupt nicht gut und hat auch mit zu unserer Entfremdung geführt. Man muss einen gescheiterten Versuch intensiv bearbeiten. Ich gehe sogar soweit, dass man hier Trauerarbeit leisten muss. Die Trauer um ein transferiertes Embryo/Kind, das nicht im Körper weiterleben wollte. Einfach so weiter zu machen wie vorher ist nicht gut - so zumindest unsere Erfahrung. Aber jeder erlebt diesen KiWu-Weg anders. Deswegen kann ich euch leider auch keine allgemeingültige Empfehlung aussprechen.

Was tat mir sonst noch gut?
Bei der lieben Einstrichphobie habe ich die Empfehlung von ihr gelesen, dass man sich erlauben sollte, sich Babysachen, Schwangerschaftsmode, Kinderwagen, Kinderratgeber etc. anzuschauen. Ich fand das zunächst total absurd. Aber eigentlich hat sie vollkommen recht. Ich habe es mir selbst verboten, mir solche Dinge anzuschauen, in diese Läden zu gehen und mich mit diesen Dingen zu beschäftigen. Und dabei habe ich das immer schon so gerne gemacht. Ich habe bis zu meiner zweiten ELSS auch ständig Babysachen gestrickt, genäht und gehäkelt. Und auch das habe ich abrupt abgebrochen, weil ich es nicht mehr konnte. Irgendwann ging das aber in ein Verbot über, weil ich ja vermeintlich kein Recht mehr darauf hatte. Ich habe mich, wenn man das mal ganz nüchtern betrachtet, also auch noch selbst bestraft. 
Ich habe mir dieses Verbot nun dank des Posts von der lieben Einstrichphobie selbst aufgehoben. Und es tat soooooo gut. In meinem Urlaub bin ich in die wunderschönsten Kinderklamottenläden reingegangen, habe mir Kinderbücher angeschaut und Schwangerschaftsmode begutachtet. Es war ein wunderschönes Gefühl, sich das wieder zu erlauben. Und ja, ich habe auch daran gedacht, was ich denn für unser theoretisches zukünftiges Baby holen würde und wie ich dieses verbotene dritte Zimmer in unserer Wohnung einrichten würde. Und es tat überhaupt nicht weh - ganz im Gegenteil.
Wenn es in unserem Leben nie wieder Kinder geben wird, dann muss ich sowieso einen harten und langen Trauerweg gehen. Aber so habe ich dann wenigstens Bilder im Kopf. Ohne sie, wäre es nur ein leeres Nichts - und das würde es mir vermutlich noch viel schwerer machen, das Ganze zu betrauern. Wie soll man ein vermeintliches "Nichts" betrauern?

In diesem Sinne - ich melde mich jetzt also wieder regelmäßig und werde über die 4. ICSI (als Selbstzahler) berichten. Vielleicht darf ich ja nächstes Jahr tatsächlich mal unser eigenes Kinderzimmer einrichten. Dann wäre ich auf jeden Fall gut vorbereitet - ich alte Kontrolletti-Tante 😉

Alles Liebe euch und bis die Tage!

Montag, 29. August 2016

Nix is ok

Gerne hätte ich euch nach so einer langen Blogpause geschrieben, dass die Welt wieder wunderbar ist. Aber das ist sie nicht. 

Drei erfolglose ICSIs haben mich an einen Punkt gebracht, der mich zutiefst unglücklich macht. Jetzt aber mal von vorne, wie ich zu diesem Tiefpunkt gelangt bin.

Mein Zyklus nach der erfolglosen ICSI hat ganze und unerträgliche 50 Tage angedauert. In diesen 50 Tagen ging es mir so unbeschreiblich hundsmiserabel. Ich war jeden Tag so unendlich müde, kraftlos und fühlte mich ausgelaugt und ausgesagt. Meine Haut ist komplett ausgetrocknet und meine Haare fühlten sich mit jedem Tag immer mehr wie Stroh an. Letzte Woche kam dann leider auch die Abrechnung: es mussten ca. 12 cm abgeschnitten werden, weil sie nicht mehr zu retten waren. Wenn ich noch weitere erfolglose ICSIs habe, gibt es auf meinen Kopf bald keine Haare mehr.

Meine KiWu-Ärztin meint natürlich, dass dies nicht zwangsläufig mit der Behandlung zu tun haben muss. Ist natürlich ein ganz blöder Zufall, dass es mir nach jeder ICSI immer sehr schlecht geht und meine Haare ruiniert sind. Is klar, ne?

Ich bin immer noch nicht richtig fit und fülle bereits seit drei Wochen akribisch meine Speicher auf - mit hochdosierten Eisen, Vitamin D, Selen, Omega 3, Folsäure. Das sind die typischen Nährstoffe, die bei Hashimoto als erstes leer gehen. Ich vermute ganz stark, dass mein Hashimoto die ganzen Behandlungen alles andere als witzig findet und ich deswegen auch so starke Nebenwirkungen haben.

Letzte Woche war ich wegen meinem Hashi auch beim Hausarzt. Ja, meine Schilddrüse könnte noch ein wenig mehr L-Thyroxin vertragen. Aber die ganzen Symptome, die ich beschreibe sind typisch. Typisch von Patientinnen, die bereits mehrere erfolglose IVF/ICSIs hinter sich gebracht haben. Die KiWu-Patientinnen in seiner Praxis haben oftmals die gleichen Symptome wie ich und denken, dass es von der Schilddrüse kommt. Und mit jedem Versuch werden die Symptome auch bei ihnen schlechter. Er hat mir nun geraten, vielleicht mal eine längere Pause einzulegen. Wenigstens noch einen oder zwei Monate länger. Schließlich muss mein Körper wenigstens die Chance haben, sich wieder zu erholen. Und dann - er hat das echt sehr, sehr vorsichtig ausgedrückt - erhöht sich ggf. auch meine Chance auf Erfolg. Ein ausgelaugter Körper lässt vielleicht weniger zu, dass sich ein Baby einnisten kann. Ich muss gestehen, dass diese Aussage meines Arztes echt saß. Hat er vielleicht sogar recht? Meine KiWu-Ärztin meint, dass zwei Monate Pause ausreichen. Aber stimmt das so?

Und dann habe ich in meinem Freundeskreis ja auch noch das Angebot erhalten, dass ein Repro-Mediziner sich meine Akte mal anschaut. Über das letzte Telefonat habe ich euch berichtet. Problem war da allerdings, dass er meine Akte da nicht gelesen habe und er alle Infos nur von mir erhalten hat. Na ja, was soll ich sagen - ich bin halt kein Arzt und habe manches wohl nicht ganz korrekt verstanden und daher auch falsch mitgeteilt. Fazit ist: meine Klinik hat nix falsch gemacht. Und er sieht in all meinen Blutwerten auch keinen Grund für das bisherige Versagen. Auch er geht davon aus, dass es theoretisch klappen müsste. Er unterstützt auch die geplante nächste Behandlung, sowohl in Bezug auf das Protokoll (wobei er das Antagonistenprotokoll bevorzugt) als auch in Bezug auf die Medikation (wobei er statt Gonal F + Luveris) eher Menopur verwenden würde. Zudem vermutet er bei mir PCO aufgrund des ständig steigenden AMH-Wertes und der FSH und LH-Werte. Meine Ärztin verneint dies allerdings, weil alle anderen Faktoren für PCO bei mir nicht zutreffen (Gewicht, Haarwuchs, Keine Zysten im US etc).
Mein AMH-Wert liegt aktuell bei 8 - nur zur Erinnerung: ich stehe kurz vor dem 38. Geburtstag...

Tja, und zu guter Letzt leidet meine Ehe gerade extremst unter dieser Situation. Sie leidet so sehr darunter, dass es letzte Woche beinahe zur Trennung gekommen wäre. Diese Situation bringt uns beide an unsere Grenzen. Die Vorstellungen von unserem (gemeinsamen) Leben haben sich durch die veränderte Situation drastisch verändert. Ich ziehe mich zurück, weil mein gesamter Freundeskreis nur noch aus Jung-Eltern besteht. In seinem Freundeskreis ist das auch so - allerdings hat er sich jetzt neue "Freunde" gesucht. Diese sind ca. 20 Jahre älter als ich. Leute, die nicht alt werden können, obwohl sie Kinder in der Pubertät haben. Ich mag sie nicht, weil sie alle einen sehr extrovertierten Lebensstil führen, mit viel Alkohol und anderem Mist. Er fühlt sich davon magisch angezogen. Mich kotzt es an. Und das führt zu ständigen Streitereien und miesen Machtkämpfen. Bis ich den Film "Gefühlt Mitte Zwanzig" gesehen habe, bei dem mir so einiges über unsere Beziehung klar wurde. 

Das Paar in diesem Film ist ungewollt kinderlos und hat sich vermeintlich von dem Kinderwunsch verabschiedet. Da sie keine Gemeinsamkeiten mehr mit ihren Freunden haben (auch Kinder), freunden sie sich mit einem viel jüngeren Pärchen an, das keine Kinder hat. Er passt sich dem Lebensstil des jüngeren Paares an und genießt diesen neuen Lifestyle. Sie findet das irgendwie komisch. In dem Film geht es in erster Linie noch um andere Themen, aber diese ungewollte Kinderlosigkeit ist ein wichtiges Element, das immer wieder aufpoppt und Grund für aktuelle Lebenssituation ist, für das aktuelle "Nicht-Vorankommen" auch in den anderen Lebensthemen. Das Paar gehört nirgendwo mehr dazu - und zu dem neuen jungen Pärchen eigentlich auch nicht, weil die ja viel jünger sind und die Kinderplanung ja auch bald ansteht. Sie hängen da also fest, in einer ätzenden Situation - und plötzlich kommt das Kinderwunsch-Problem in einem heftigen Streit wieder auf. Und es kommt heraus, dass da noch gar nichts abgeschlossen war und wie sehr sie beide darunter leiden. Der Film ist eigentlich gar nicht gut, aber irgendwie doch. Er beschreibt gerade komplett meine/unsere Lebenssituation. 
Die Ehe bröckelt, man ist unzufrieden mit dem Leben, hängt irgendwo in einer Zwischensphäre, weil man nirgendwo dazu gehört, mit dem Job geht es auch nicht vorwärts, und auf die Baby-Gespräche und die Lebensinhalte der vormals besten Freunde kann man getrost verzichten. 

Dieser Film hat mir die Augen geöffnet - und vermutlich meine Ehe gerettet. Er hat ganz viele Denkprozesse angeregt und erst einmal zu einem noch größeren Streit geführt (der fast zu einer Trennung geführt hätte), aber nach mehreren weiteren und konstruktiveren Streitgesprächen, geht es gerade (hoffentlich) wieder in die richtige Richtung. Dieser beschissene Kinderwunschweg hat uns verändert, hat unsere Lebensplanung verändert und unser Bild von unserem Wunsch-Leben verändert. Das haben wir nun begriffen. Nun müssen wir lernen, mit diesem veränderten Bild umzugehen und zu leben.

Nein, nix ist gut. Gar nichts ist gut. Mein Leben sollte ganz anders verlaufen.
Und nun liege ich hier im Bett, mit kurzen Haaren, einer schlecht gelaunten Schilddrüse (die gerade neu eingestellt wird und mich richtig ärgert), einem ausgelaugten Körper, einer angefressenen Psyche und einer fast gescheiterten Ehe. Na herzlichen Dank.
Liebe KiWu-Kliniken - das erwähnt ihr nicht in euren Hochglanzprospekten... solltet ihr aber vielleicht mal.

Wir fahren bald in Urlaub und dort entscheide ich mich auch, wann es mit der nächsten ICSI weitergehen soll. Daher wird es hier vermutlich wieder stiller sein. Macht es gut - und bis demnächst.



Freitag, 8. Juli 2016

Wenn das Vertrauen in die eigene KiWu-Klinik nicht mehr da ist...

Ich habe euch ja schon erzählt, dass wir uns eine zweite Meinung bei mehreren Repro-Medizinern einholen wollten. Um dafür bestens vorbereitet zu sein, haben wir uns eine Kopie unserer Patientenakten bei unserer Klinik angefordert. Diese kam gestern endlich an.

Meine Empfehlung an all meine Leserinnen: besorgt euch diese Kopie, lest die Akte intensiv durch und googelt die Befunde. Ich habe das gestern nach Feierabend bis tief in die Nacht getan. Vielleicht war es nur bei mir so, aber ich habe mit dieser Kopie endlich mal all meine Befunde und Behandlungen verstanden und fühle mich nun wie ein mündiger Patient. Und hier und da bin ich auf Werte gestoßen, die mich ein wenig irritiert haben. Zum Beispiel der AMH-Wert.

In meiner Klinik teilte man mir bspw. immer mit, dass ich einen AMH-Wert von 5 hätte. Aufgrund dieser vermeintlichen Ausgangslage sind meine Ärzte immer davon ausgegangen, dass ich eine Überstimulations-Patientin bin. Aus diesem Grund wurde immer wieder das Antagonistenprotokoll und die jeweiligen Medikamente ausgesucht. Nun lese ich in den Blutergebnissen, dass mein AMH nur bei 3 lag. Das ist ein himmelweiter Unterschied. Vermutlich wurde der Wert aus dem Blutbescheid falsch in das Überblicks-Blatt meiner Patientenakte übertragen! Ich habe die "5" ständig auf diesem Blatt gelesen und meine Ärztin hat diesen hohen Wert auch jedes Mal betont. 

Die Patientenakte ist das eine, die zweite Meinung habe ich mir natürlich auch geholt.

Heute hatte ich dann die Möglichkeit mit einem Reproduktionsmediziner in Österreich zu telefonieren. Dieser Mediziner ist mit jemandem aus meinem Freundeskreis verwandt und hat uns angeboten uns unentgeltlich zu beraten. Dieses Telefonat hat mein Vertrauen in unsere KiWu-Klinik erschüttert. 

Dank der Patientenakte konnte ich dem Mediziner ausführlich Auskunft erteilen. Und nach und nach stellte sich heraus, dass meine Klinik nicht optimal agiert hat.
Kurz nach meinen ELSS habe ich - im Sommer 2014 - die kompletten Blutuntersuchungen in meiner Klinik vornehmen lassen. Hier wurde der AMH-Wert von 3 festgestellt. Der Mediziner meinte, dass dieser AMH-Wert zum damaligen Zeitpunkt für mein Alter schon nicht so super gewesen sei wie es die Klinik behauptet hat. Meine erste Behandlung hatte ich erst wieder im September 2015. Da diese erste Behandlung schon nicht so gut verlaufen ist, hätte man danach noch einmal den AMH, aber auch andere Werte, erneut testen lassen müssen. Spätestens nach der zweiten schief gelaufenen Behandlung hätte man aufmerksam werden müssen und die damaligen Hormon-Werte alle noch mal testen lassen müssen. Denn ab 35 Jahre können sich diese Werte rasant ins negative entwickeln und eine andere Behandlung erforderlich machen. Aber stattdessen erfolgte die dritte Behandlung - im gleichen Protokoll, mit den gleichen Medikamenten.

Der Mediziner vermutet, dass sich meine Hormonwerte bereits deutlich verschlechtert haben - weshalb ich auch so schlecht auf die (vielleicht falsche?) Behandlung reagiert habe. 
Als ich ihm erzählt habe, dass meine Ärztin nun das Longprotokoll plant, war er etwas entsetzt. Sollten sich meine Werte tatsächlich verschlechtert haben, könnte ich das Geld für die ICSI auch direkt verbrennen. Denn dann würde das Longprotokoll zu einem noch schlechteren Ergebnis führen. Man kann es eigentlich schon als grob fährlässig bezeichnen, dass meine KiWu für ein Protokollwechsel vorab meine Blutwerte nicht überprüft.

Meine Ärztin erwähnte beim letzten Gespräch ja auch, dass mein Gestagen bzw. Progesteron-Wert am Ende der Stimulationsbehandlung kritisch gewesen sei. Ich habe dem Arzt daher mal alle Progesteron-Werte meiner 3 ICSIs mitgeteilt. Bei meiner ICSI No. 3 hätte er auf gar keinen Fall einen Transfer durchgeführt und bei ICSI No. 2 vermutlich auch nicht. Die Progesteron-Werte waren so hoch, dass die Möglichkeit einer Einnistung sehr gering war.

Am Ende des Gesprächs war ich am Boden zerstört. War das ganze letzte Jahr mit all den Behandlungen für die Katz? Die ganzen Hormone, die ganzen OPs, die ganzen gesetzten Spritzen und blauen Flecken, die ganzen Streitereien mit meinem Mann aufgrund der Hormone, die ganzen "Depressionen" nach den Negativs, die ganzen Lügen auf der Arbeit, die Belastung - für nichts? 

Ich weiß gerade nicht, wie ich mit diesen Informationen umgehen soll. Soll ich mich jetzt freuen, weil es vielleicht eine Antwort auf das "Warum?" und vielleicht sogar eine Lösung gibt? Oder soll ich wütend darüber sein, dass ich permanent falsch behandelt wurde? Soll ich traurig darüber sein, dass ich unnötig ein ganzes Jahr für Nichts verloren habe?
Was soll ich da jetzt bitte fühlen? Wie soll ich damit umgehen? 

Wie geht es jetzt weiter? 
Der Arzt hat mir angeboten, dass er mir eine Behandlung empfiehlt. Dafür müsste ich allerdings bestimmte Blutwerte bestimmen lassen (ca. 20 Werte). Ich werde jetzt zu meiner Frauenärztin (nicht aus der KiWu) gehen und sie fragen, ob sie diese Blutwerte für mich bestimmen lassen kann. 
Sobald die Blutwerte da sind, schicke ich ihm alle Unterlagen zu und werden noch einmal telefonieren.

An alle KiWu-Frauen da draußen, die schon mehrere Negativs kassiert haben: Holt euch unbedingt eine Zweitmeinung ein. Vertraut den Ärzten nicht blind. 

Ich bin nicht in irgendeiner kleinen Hinterhofklitsche in Behandlung. Nein, ich bin in der modernsten und renommiertesten Klinik in meiner Stadt in Behandlung. In meinem Freundes-/Bekanntenkreis waren viele dort in Behandlung und alle hatten Erfolg. Und trotzdem ist das hier mit mir passiert! Ärzte sind auch nur Menschen und machen Fehler. Leider.

Ich bin für heute durch und melde mich die Tage wieder. Das alles muss ich erst einmal verarbeiten...

Dienstag, 5. Juli 2016

Warum es so weh tut

Die ganze Zeit habe ich mich gefragt, warum es mir so unendlich wehtut, dass meine Nachbarn nun ein Kind erwarten.

Es tut zum einen so weh, weil bei diesen Nachbarn alles nach Plan verläuft - sogar das Kinderkriegen.
Aber der Grund, warum es mir eigentlich so weh tut, ist ein anderer. Und der ist mir erst ein wenig später klar geworden. In meinem Freundeskreis und in meiner Familie hat mir jede neue "frohe Botschaft" auch einen Stich versetzt. Insbesondere diejenige von meiner besten Freundin am Tag unserer Hochzeit - diese Nachricht hat mich ähnlich umgehauen, wie diejenige von meinen Nachbarn. Aber mit den anderen frohen Botschaften bin ich einigermaßen souverän umgegangen - zumindest dachte ich das bis jetzt...

Aber warum hat mich ausgerechnet die Nachricht von meinen Nachbarn so umgehauen? Ganz einfach: weil ich jeden Tag mit der Fruchtbarkeit unserer Nachbarn konfrontiert werde. Jeden Morgen, wenn ich aus dem Haus gehe; jeden Abend, wenn ich nach Hause komme und jeden Tag, wenn ich aus dem Fenster schaue. Ich bin nur deshalb - vermeintlich - so souverän mit den bisherigen Schwangerschaften umgegangen, weil ich diese Personen danach gemieden habe. Auch meine beste Freundin habe ich seit der Geburt ihres Kindes erst ein Mal getroffen (und das Kind ist mittlerweile 4 Monate alt). Zuvor habe ich meine beste Freundin ca. alle 2 Wochen oder öfters getroffen.
Aber meinen Nachbarn kann ich nicht aus dem Weg gehen - außer ich ziehe um.

In der Psychologie sagt man, dass man unangenehme Situationen aushalten muss und dass man unangenehme Situationen auch manchmal ganz bewusst aufsuchen muss. Nur so schafft man es, sich damit auseinanderzusetzen.
Die Schwangerschaft meiner Nachbarin ist somit eine knallharte Konfrontationstherapie für mich. Nicht nur, dass ich mir jeden Tag den dicker werdenden Bauch anschauen darf - nein, ich muss mir nun auch sehr regelmäßig den ganzen Schwangerschaftsmist anhören, den sie mir sicherlich lang und breit erzählen wird. Halleluja - mein Traum geht endlich in Erfüllung ... nicht ;-)

So, ich begebe mich dann mal in die Konfrontationstherapie, während ich versuche meine andauernde ungewollte Kinderlosigkeit zu verarbeiten.

Bis dahin!

Samstag, 2. Juli 2016

Der Mythos mit dem Klapperstorch auf dem Dach ... stimmt doch

Vor einigen Wochen habe ich euch ja erzählt, dass wir den Klapperstorch bei uns gesehen habe. Gegenüber auf dem Dach der Nachbarn. Und was soll ich sagen? Der Klapperstorch hat tatsächlich ein Baby angekündigt, das in einigen Monaten zur Welt kommen wird.

Aber spulen wir noch einmal zurück. 

Wir leben in einer Großstadt und die Wahrscheinlichkeit, dass sich überhaupt ein Klapperstorch in unsere Stadt und dann auch noch ausgerechnet in unsere Straße verirrt gleicht einem 6er im Lotto. Sprich: das ist so absurd, dass man gar nicht anders kann als daran zu glauben, dass er eine Bedeutung hat und ein Baby ankündigt.
Als der Klapperstorch kam, standen wir mit einigen Nachbarn im gebährfähigen Alter auf der Straße. Keines der Nachbars-Pärchen hat Kinder. 

Ein Pärchen hat sein Leben akribisch mit der Excel-Tabelle geplant: von langer Hand die Märchenhochzeit mit Taube und Kutsche geplant, die im letzten Jahr stattfand. Und bereits im letzten Jahr angekündigt, dass man in ca. 1 Jahr mit der Babyplanung beginnt. Das wäre in etwa jetzt. Zudem hat sich das Pärchen vor einigen Monaten noch einen Welpen zugelegt, weil es ja besser ist den Hund schon vor dem Nachwuchs zu haben. Vor einigen Monaten fing das Pärchen dann auch akribisch an, nach einem geeigneten Einfamilienhaus zu suchen. Das Grundstück wurde dann vor ca. Wochen gefunden und der Vertrag letzte Woche abgeschlossen. Man sollte meinen, dass ein Leben nach Excel-Tabelle vermutlich spätestens beim Thema Kinderwunsch einen Bruch erleidet. Der Klapperstorch landete auf dem Dach von diesem Pärchen.

Dann gibt es noch einige andere Paare. Von einem Paar haben wir erfahren, dass sie auch ungewollt kinderlos sind. Wir sind nun in der gleichen Klinik. Bei einem anderen Paar vermuten wir ähnliches. Noch ein anderes Paar geht jetzt wohl in die Kinderplanung. 

All diese Paare wollen Kinder. Entsprechend glücklich waren wir alle, als wir in unserer Straße standen und den Klapperstorch haben landen sehen.

Mein Lieblingsmann und ich waren so naiv zu glauben, dass der Klapperstorch wegen uns gekommen ist. Aber das Ergebnis der 3. ICSI kennt ihr ja. Aber nein, der Klapperstorch war nicht wegen uns hier. Er landete auf dem Dach der Nachbarn und kündigte damit deren Baby an. Das Baby des perfekten Pärchens, das alles - wirklich alles! - in seinem Leben plant und das perfiderweise auch noch tatsächlich eintritt.

Ich habe diese "frohe" Botschaft heute Vormittag erfahren und ich konnte mich beim besten Willen nicht freuen. Was für ein perfides und krankes Spiel spielt das Leben da eigentlich mit mir? Ich habe eben ein Wechselbad der Gefühle durchlebt - Hass, Agressionen, Wut und Trauer. Alles abwechselnd.
Wie absurd ist das bitte alles? Die haben ihr Leben komplett durchgeplant und es tritt alles auch genauso ein? Das kann doch nicht, oder? 
Hätte ich mein Leben auch besser durchplanen sollen? Hätte ich früher mit meinem Kinderwunsch starten müssen, damit mir das hier alles erspart bleibt? Ich ertrage es nicht. Ich ertrage die glückseligen Lebenszustände anderer Menschen momentan nicht - zumindest dann nicht, wenn sie mit Kindern in Zusammenhang stehen.  

Ich würde jetzt am liebsten mal all meine Wut herausschreien. Aber das geht nicht, weil ich in einer Mietwohnung in einer Großstadt lebe. Und ich lebe in einer Mietwohnung mitten in einer Großstadt, weil wir keine Kinder haben. Wir hatten damals auch diesen Traum von einem Eigenheim. Aber wozu brauchen wir ein Haus an den Toren vor unserer Stadt und soll auf ein Stadtleben verzichten, wenn wir sowieso keine Kinder haben?

Hach - ich bin gerade einfach nur unglaublich wütend. Ich bin eh total gerädert, weil ich mir während der Hormon-Talfahrt auch noch eine richtig miese Erkältung zugezogen habe. Und das ätzende ist, dass ich mich nicht krankschreiben lassen konnte/kann, weil ich vor zwei Wochen ja noch wegen der ICSI krankgeschrieben war. Bei meinem Arbeitgeber hatte ich da schon behauptet, dass ich eine Grippe hätte. Daher habe ich mich die letzten Tage mit aufputschenden Erkältungsmitteln zugedröhnt, um arbeiten zu können. Entsprechend mies geht es mir gerade. Ich halte von solchen Mitteln eigentlich auch nix. Aber eine andere Wahl hatte ich leider nicht.

So, ich beende diesen Frustpost jetzt besser. Bringt ja alles nix.
Das einzig positive ist: die Sache mit dem Klapperstorch stimmt. Wenn er auf eurem Dach landen sollte, dann .... :-*