Samstag, 14. März 2015

Zwischen schwarzen Wolken - ein kleines bisschen grau

Zwischen all den schwarzen Wolken habe ich erst lange Zeit danach wieder ein kleines bisschen grau gesehen. Und mittlerweile ist da zum Glück wieder ganz viel blau.

Dieser Post ist all denen gewidmet, die ein Sternenkind in der Fruhschwangerschaft verloren haben. 
All denjenigen gewidmet, die verzweifelt sind und Angst haben, dass sie das Licht am Ende des Tunnels vielleicht nie wieder erblicken werden. 
All denjenigen gewidmet, denen andere sagen, dass sie sich jetzt aber mal langsam zusammenreißen sollten, weil es da ja eigentlich nichts zu betrauern gibt, weil es ja noch gar nicht auf der Welt war.

Ein langersehntes und von Herzen gewünschtes Kind zu verlieren ist eine traumatische Erfahrung. 
Es zerreißt einem das Herz.
Es schmerzt.
Es stellt sich die Frage nach dem Warum und nach der eigenen Schuld.
Es zieht einem den Boden unter den Füßen weg und lässt einen wanken und kurze Zeit danach tief fallen.
Es ist unvorstellbar und deswegen fällt es dem Verstand auch so schwer das zu verstehen.
Es lässt die Welt für eine kurze lange Zeit still stehen.

Wenn es ein Geräusch wäre, gleicht der Tod eines ungeborenen Kindes einem lauten Knall, der danach zu einer langanhaltenden Totenstille führt.
Wenn ich es mit einem Ereignis vergleichen müsste, wäre es eine Atombomben-Explosion nach der jedes Leben ausgelöscht ist.

Jeden Tag hofft man, dass man dieses ungeborene Kind endlich loslassen kann, um endlich wieder normal leben zu können. 
Um endlich wieder an die Wasseroberfläche schwimmen zu können und Sauerstoff einatmen zu können. 
Aber irgendetwas hält einen fest. 
Jeden Tag versucht man durch die Dunkelheit zur Wasseroberfläche zu schwimmen. 
Aber irgendetwas oder irgendjemand hält einen immer wieder fest und zieht einen runter. 
Obwohl man im Wasser schwimmt, fühlt man sich nicht schwerelos. 
Irgendetwas liegt schwer auf den Schultern - eine bleierne Schwere, die einem fast die Luft zum Atmen wegnimmt. 
Unter Wasser ist es kalt - man friert und zittert. Und es gibt nichts was einen aufwärmen kann.
Man hat Hunger, so einen unstillbaren Hunger.
Hunger nach Dingen, die es in der Unterwasserwelt nicht gibt.
Es fehlt Wärme.
Man zittert vor Kälte.
Doch irgendwann bahnt sich die Sonne durch das Wasser.
Durch die schwarzen Wolken blitzt erst ein kleines bisschen grau. 
Und dann irgendwann sieht man auch ein kleines bisschen blau.
Man lässt los.
Man schwimmt nach oben und schafft es zur Wasseroberfläche.
Atmet auf und ein.

Ich habe den kompletten Zeitraum bis zum errechneten Entbindungstermin gebraucht, um meine Sternenkinder endlich komplett loslassen zu können. 
Ich habe sie in Gedanken über all die vermeintlichen Schwangerschaftswochen begleitet. 
Habe mir immer wieder mein Leben als Schwangere vorgestellt und was ich in meinem Wunschleben wohl zu diesem Zeitpunkt gemacht hätte. 
Für mich war es notwendig, diese kompletten Schwangerschaften in Gedanken mit meinen Sternenkindern zu durchleben. Nur so konnte ich mich von Ihnen verabschieden. 
Endgültig konnte ich mich bislang nicht von ihnen verabschieden. Aber das werde ich wohl auch nie können. Denn sie werden immer ein Teil meines Lebens sein. 
Von einem Sternenkind habe ich das Herz klopfen sehen. Es hat mir mein Herz zerbrochen, dass ich bewusst einwilligen musste, dieses Leben nur wenige Stunden später gehen zu lassen. Ich bekomme dieses Ultraschallbild auch nicht mehr aus meinem Kopf. Ich hoffe so sehr, dass ich dieses Bild einmal gegen ein Ultraschallbild mit positivem Ausgang austauschen kann. 
Lange Zeit nach DEM Ereignis habe ich oft schlecht geträumt und immer wieder kam dieses Bild mit dem klopfendem Herzen vor. 

Ja, jetzt gerade kullert mir auch wieder eine Träne über die Wange. Aber das erlaube ich mir auch.
Dennoch möchte ich euch Mut machen. Die schwarzen Wolken werden sich nach und nach verziehen. Zuerst seht ihr nur ein kleines Fleckchen grau. Aber irgendwann kommt auch der blaue Himmel wieder. Ganz bestimmt! Dass sich hin und wieder mal eine dunkelgraue Wolke verirrt, werde ich wohl nicht verhindern können. Aber das muss ich ja auch nicht.


Das Gefühl, dass es weitergeht, dass Frieden in dir wohnt.
Dass du dich selber wieder leuchten siehst.
Dass dieser Kampf sich lohnt.

Das alles gibt es nur, wenn du lebst.
Wenn du über Grenzen gehst.
Die tiefen Schläge überlebst!
- Johannes Oerding













Donnerstag, 5. März 2015

Die kinderlose Frau

Ich gehöre in den Augen der anderen Frauen mittlerweile zu DEN Frauen, über die man gerne tuschelt. Ja, ich gehöre nun zu den Frauen, über die ich vor einigen Jahren selber so getuschelt habe. 

Diese Frauen, die nix haben außer ihre Karriere. 
Diese Frauen, die ihr Geld lieber für Klamotten, Reisen und andere egoistische Vergnügen ausgeben.
Diese Frauen, die den "Müttern" das Leben auf der Arbeit schwer machen.
Diese Frauen, die man nicht mehr zu den Feierlichkeiten einlädt, weil da eh nur Paare mit Kindern sind und man ja keine gemeinsamen Themen hat.
Diese Frauen, die nur an ihr eigenes Wohl denken und keinen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten.
Diese eigentlich nur nutzlosen Frauen...

Ich hätte es nie gedacht. Aber mittlerweile komme ich in ein Alter, in dem ich eigentlich schon Kinder haben müsste. Da ich keine habe, gehen andere Frauen automatisch davon aus, dass ich mich bewusst dagegen entschieden habe - aus purem Egoismus. Ich habe noch nie in meinem Leben so viel Feindseligkeit erfahren müssen. Als nicht gebärende Frau, gehört man von einem Tag auf den anderen plötzlich zum Abschaum der Gesellschaft.

Mal abgesehen davon, dass ich (momentan und noch?) ungewollt kinderlos bin. Warum urteilt man über kinderlose Frauen eigentlich so negativ in unserer Gesellschaft? Es gibt so viele Kinder mit üblen Eltern, die in prekären Lebensverhältnissen aufwachsen. Wäre es da manchmal nicht sinnvoller gewesen, wenn diese Frauen darauf verzichtet hätten ein Kind zur Welt zu bringen? Ich habe letzte Woche eine furchtbare Reportage über abgeschobene und todunglückliche Kinder in Kinderheimen gesehen und habe geheult vor Wut! 

Ich habe in jungen Berufsjahren öfters ältere Frauen kennengelernt, die sich bewusst gegen Kinder entschieden haben, weil sie wussten, dass sie ohne Kinder deutlich glücklicher sind und ihren potenziellen Kindern nicht die notwendige Liebe schenken könnten. Eine bewundernswerte und im Endeffekt vermutlich auch die richtige Entscheidung. Warum sollte man diese Frauen für diese vernünftige Entscheidung verurteilen - haben wir nicht genügend ungeliebte und unglückliche Kinder auf der Welt?

In letzter Zeit werde ich immer öfters - insbesondere von den jungen Kolleginnen gefragt, ob ich den keine Kinder haben wolle. Darauf antworte ich meist immer mit "weiß nicht" und ernte entsetzte Reaktionen. Zuletzt fragte mich eine, ob das eigentlich nicht schrecklich wäre, wenn man nach seinem Tod keine Kinder hätte, denen man etwas hinterlassen könnte... (Mal abgesehen davon, dass ich bislang eh kein Vermögen angehäuft habe, das ich vererben könnte).
Diese jungen Frauen reden sehr offen darüber, wie sie ihre Zukunft inklusive Kinderwunsch planen. Und so gerne würde ich ihnen das Geheimnis verraten, dass man das manchmal gar nicht planen kann. Aber dann würde ich mich ja selbst verraten. Zu gerne würde ich ihnen verraten, dass nicht jede kinderlose Frau "karrieregeil" und diesen Lebensweg bewusst geplant hat. 
Aber ich möchte kein Spielverderber sein und ihnen die Illusion eines planmäßigen Traumlebens lassen. So haben einige von ihnen wenigstens in Gedanken eine Zeit lang ein perfektes und planbares Leben ;-) 

Nur die wenigstens kommen auf den Gedanken, dass es da auch diese ungewollt kinderlosen gibt. Meistens sind es ältere Frauen, die das in die Gespräche einbringen. Und oft sind es diese vermeintlich "karrieregeilen" Frauen ohne Kind, die das sagen. Und das macht mich in letzter Zeit sehr oft nachdenklich. Sind das etwa auch ehemalige Kinderwunschlerinnen? Was mich jedoch beruhigt, ist die Tatsache, dass das alles sehr entspannte kinderlose Frauen sind, die ein schönes und ereignisreiches Leben führen. Ein Leben ohne Kind, ist also - entgegen der Meinung vieler junger Frauen - nicht so schlimm wie es scheint. Und das ist doch eine wunderbare Erkenntnis!



Montag, 2. März 2015

Manchmal hilft ein Perspektivwechsel

Ich hätte es nicht gedacht, aber mein Coach hatte mich schon vorgewarnt! Bewerben Sie sich und achten Sie auf ihr Bauchgefühl. Vielleicht merken Sie dann, was Sie eigentlich wollen - ja, das hatte er gesagt. 
Letzte Woche war ich dann beim Bewerbungsgespräch und war mir ziemlich sicher, dass damit eine neue Ära beginnen wird. Tja, aber was soll ich euch sagen? Ich habe nach dem Bewerbungsgespräch gemerkt, was für einen tollen Arbeitgeber ich eigentlich habe und ich froh bin, so eine gute Chefin zu haben. Klar, bei meinem aktuellen Arbeitgeber ist nicht alles perfekt und meine Chefin ganz bestimmt auch nicht. Aber dieser andere - von so vielen hochgelobte Arbeitgeber - konnte in vielen Punkten meine Ansprüche an einen Arbeitgeber nicht erfüllen.
Zum Beispiel hätte ich kein kleines Büro mehr, sondern müsste mit 150 Leuten - "total kreativ" - in einem riesigen Büro sitzen. Wie soll ich mich bei diesem Grundrauschen auf meinen anstrengenden Job konzentrieren? Auf die Arbeitszeiten angesprochen, lächelte man mich nur an und meinte, dass man nach Hause geht, wenn man fertig ist. Ne, is klar. Ich arbeite gerne 16 Stunden am Tag und habe kein Privatleben mehr. Auch die Srbeitsstrukturen sind eine einzige Katastrophe. Man hat im Gespräch richtig gemerkt, wie toll mein Gegenüber es fand, wie strukturiert ich bin und dass man feste Strukturen sogar tatsächlich auch in einem großen Unternehmen wie meinem durchsetzen kann. 

Der andere Arbeitgeber hätte für mich aktuell nur zwei Vorteile: deutlich mehr Gehalt und einen guten Namen. Ich habe für mich jedoch festgestellt, dass dies zwei Komponenten sind, die mir nicht ausreichen. Ich bin mittlerweile aus dem Alter raus, wo ich meinem Arbeitgeber mein Privatleben geschenkt habe. Nur, weil ich keine Kinder habe, möchte ich trotzdem ein Privatleben habe. Denn dann bringt mir auch das viele Geld nix - ich kann es aufgrund mangelnder Freizeit ja nicht ausgeben!

Der Streit in unserer Abteilung konnte zum Glück beigelegt werden. Unsere - sehr gut ausgebildete - Personalabteilung hat sich eingemischt und hat den Grundkonflikt sehr schnell erkennen können: unsere Aufgaben waren einfach nicht richtig definiert. Und über diesen Grundkonflikt - den wir alle nicht erkannt haben - haben wir uns komplett zerstritten. Das war für uns alle sehr befreiend, hat aber auch noch mal gezeigt, wie wichtig eine gute Führungkraft ist. Ich denke, dass meine Vorgesetzte jetzt auch noch mal an sich arbeitet... Jetzt gehe ich auch endliche wieder motiviert zur Arbeit und nach dem Bewerbungsgespräch sogar noch motivierter ;-)

Dass der jetzige Job auch viel besser in meine KiWu-Planung passt, weil ich mir hier ohne Probleme auch mal kurzfristig frei nehmen kann, ist ja auch nicht zu vernachlässigen und entspannt mich auch ein wenig.

Ich kann euch das daher nur empfehlen, das wirklich einmal auszuprobieren und euch zu bewerben. Man merkt dabei wirklich sehr gut, ob man das wirklich will. So ein Perspektivwechsel wirkt manchmal vielleicht auch Wunder und lässt den gehassten Job vielleicht - wie bei mir - in einem völlig anderen Licht dastehen. 


Donnerstag, 19. Februar 2015

Ich muss verrückt sein...

Ihr wisst ja, dass ich in meinem Job nicht so zufrieden bin. Ich arbeite in einem großen Unternehmen und arbeite mit wirklich vielen sehr netten Kollegen zusammen. Aber mit den Hexen aus meiner Abteilung komme ich einfach nicht klar und das wird auch nix mehr. Auch die Entwicklung meiner Arbeitsstelle gefällt mir immer weniger - immer mehr Projekte muss ich alleine stämmen. Ich habe eine riesige Verantwortung und werde deutlich unter meinem Marktwert bezahlt.

Schon bevor ich das erste Mal schwanger wurde, war mir klar, dass ich da nicht mehr lange bleiben wollte. Aber da wir ja sowieso ein Kind haben wollten, hatte ich den Jobwechsel erst mal auf Eis gelegt. Nach dem Erziehungsjahr hätte ich mir ja immer noch in Ruhe einen neuen Job suchen können.

Tja, das Leben kam ganz anders als geplant. Und nach der zweiten Eileiterschwangerschaft habe ich mich bewusst gegen einen Jobwechsel entschieden. Ich hatte das damals sehr intensiv mit meinem Coach durchgesprochen. Und sie meinte damals, dass ich das einfach mal antesten sollte. 
Meine Aufgabe war es, erst einmal nach Jobs zu suchen und dann auf das Bauchgefühl zu achten. Wenn es sich gut und richtig anfühlen würde, sollte ich den nächsten Schritt versuchen und eine Bewerbung schreiben. Und wenn sich das dann auch noch gut anfühlt, zum Bewerbungsgespräch gehen und das Bauchgefühl entscheiden lassen. 

Ich habe den ersten Schritt im letzten Jahr mehrmals versucht. Zudem habe ich mich nach meinem Studium - eher durch einen Zufall - für einen Nischenjob entschieden. Mitarbeiter wie mich sucht man gerade glücklicherweise händeringend und es werden außerordentlich gute Gehälter geboten. Dieser absurde Zustand führt dazu, dass ich zeitweise jede Woche von Headhuntern und Unternehmen kontaktiert werde und mir (für meinen Studienabschluss) absurd hohe Gehälter geboten werden. Aber nein, ich wollte mich lieber durch meinen Job quälen und die sichere Komfortzone nicht verlassen. Grund hierfür war maßgeblich die geplante Kinderwunschbehandlung. Ich wollte mir diesen Stress einfach nicht antun. Und wenn ich dann noch schwanger werden würde, wäre das ja total blöd für das Unternehmen. Ja, so sozial bin ich...

Im Januar dann, hat mich ein sehr attraktives Unternehmen angeworben. Und dann merkte ich plötzlich, dass sich in mir was tut. Dass eine Veränderung vielleicht gar nicht so schlecht wäre und im Leben sowieso nichts sicher ist. Das letzte Jahr hat mich schließlich gelehrt, dass man eben nix planen kann. Den Job von diesem Unternehmen habe ich wieder abgesagt, weil ich keine Lust hatte in eine andere Stadt am anderen Ende von Deutschland zu ziehen. Aber da war plötzlich diese Lust auf Veränderung.

Und dann schaute ich nach diesem anderen attraktiven Unternehmen in meiner Stadt und habe einfach mal eine Bewerbung geschrieben und eine utopisch hohen Gehaltswunsch angegeben (vermutlich in der Hoffnung, eine Absage zu erhalten ;-)). Aber dieses Unternehmen hat mich gestern tatsächlich zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. Der Termin ist nächste Woche.

In meinem Kopf dreht sich gerade das Gedankenkarussel. Würde ich das schaffen eine KIWU-Behandlung mit einem neuen Job durchzustehen? Was wäre, wenn ich die erste Behandlung noch vor dem Job-Wechsel starte? Was wäre, wenn ich tatsächlich schwanger ("Klopf auf Holz") in den neuen Job starten würde? Wäre das dem neuen Arbeitgeber gegenüber fair?

Und wisst ihr was? Ich habe mich dazu entschieden, diesmal nicht mehr fair zu sein, sondern nur an mich zu denken. Ich kann doch nicht die ganze Zeit darauf hoffen und warten, dass ich tatsächlich schwanger werde! Was ist, wenn ich immer kinderlos bleibe oder noch 7 Behandlungen brauche, um schwanger zu werden? Soll ich dann die nächsten Jahre in dem alten und unterbezahlten Job verharren?

Sollte ich eine Zusage erhalten und dieses utopische Gehalt (also für mich ist es utopisch hoch - für viele andere ist das vermutlich ein niedriges Einstiegsgehalt ;-)) erhalten, dann könnte ich sogar problemlos Geld für weitere künstliche Befruchtungen beiseite legen.

Bin ich verrückt, dass ich einen Jobwechsel in Erwägung ziehe, noch bevor die erste Behandlung überhaupt gestartet ist? 
Andererseits fühlt sich das so unheimlich gut an. Der Gedanke daran, dass ich aus dieser Firma raus könnte, fühlt sich so befreiend an. Ich fühle mich jetzt schon seit der ersten Eileiterschwangerschaft so fremdbestimmt. Und das wäre endlich etwas, bei dem ich aktiv etwas ändern kann. Und deswegen denke ich auch, dass für mich nun der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Ich bin wieder bereit dazu, die sichere Komfortzone zu verlassen und wieder eigenständig in meine Lebensplanung einzugreifen. 


Freitag, 13. Februar 2015

Vor einem Jahr und 5 Tagen

Vor einem Jahr und 5 Tagen war ich ein nervliches Wrack. Die Ende Januar angeblich diagnostizierte natürlich abgegangene Fehlgeburt entwickelte sich damals zu einem Alptraum. Mein ß-HCG-Wert ging nicht so zurück wie er sollte und stieg wieder leicht an. Aber am Ultraschallgerät sah man keinen Hinweis auf einen Embryo(-Rest). Der Verdacht einer Eileiterschwangerschaft wurde intensiver ausgesprochen. 5 Tage später wurde der Verdacht im Rahmen einer Bauchspiegelung bestätigt.

Draußen hingegen machte sich der Frühling breit. Die Sonne strahlte, der Himmel war hellblau, die Vögel zwitscherten und die ersten grünen Sprößlinge bahnten sich ihren Weg aus dem Winterschlaf.

Genauso wie dieses Jahr. Seit Tagen gehe ich die gleichen Wege im Wald spazieren, wie vor einem Jahr. Und ich erinnere mich an damals: meine Gedanken, meine Emotionen, meine Tränen. 

Ich war mir so sicher, dass ich mit dem letzten ausgerechneten Entbindungstermins des letzten Sternchen Ende Januar diesen Jahres, nun endlich mit diesem Kapitel "Eileiterschwangerschaften" abgeschlossen hätte. Aber, wenn die einzelnen Daten zum Vorschein kommen, dann kommt das alles wieder hoch. Wieso kann ich nicht damit abschließen?

Es ist - denke ich - dringend Zeit in die nächste Phase zu kommen. Wir müssen die Behandlung in der KIWU starten, damit ich endlich wieder nach vorne blicken kann. Wir müssen nur noch zwei organisatorische Dinge erledigen, dann geht es auch endlich los. Zudem wollen wir jetzt schon das Geld - abrufbereit - für eine volle Behandlungen und eine Kryo inkl. Behandlung zusammen haben. Wir könnten natürlich noch heiraten, so dass die Krankenkasse die Behandlung bezahlt, aber das lassen wir uns erst noch offen. Aber immerhin wäre das auch noch eine Option.

Meinen Lieblingsmann zieht dieses Thema glaube ich auch runter. Aber statt sich einzuigeln, nutzt er ein Partyevent nach dem anderen. Ich habe dazu wenig Lust momentan. Auch wenn ich weiß, dass ich eigentlich mein Leben leben sollte, statt auf mein erwünschtes Leben zu warten. Aber nach Party und Alkohol ist mir nun wirklich nicht zumute, zumal ich aufgrund schlechter Blutwerte auch permanent müde bin.

Nun denn, ich verbringe den Abend heute gemütlich auf der Couch, mit einem guten Film und einem Schmusehund statt Party zu machen. Ich hoffe, ihr macht es euch auch gemütlich!


Mittwoch, 11. Februar 2015

Sonntag, 1. Februar 2015

Lichen sclerosus - Behandlung und Ernährung

Vor einiger Zeit habe ich ja schon darüber berichtet, dass ich an der Autoimmunerkrankung Lichen sclerosus leide.

Die Krankheit schreitet immer in Schüben fort. Und die Schübe selbst, wenn u. a. auch über die Psyche ausgelöst. Da es mir in den letzten zwei Wochen nicht so gut ging, hatte ich natürlich wieder einen Schub - bäh! Hätte ich meine Behandlung regelmäßig fortgeführt, würde ich jetzt vor lauter Juckreiz vermutlich nicht wahnsinnig werden müssten. Tja, Pech - jetzt muss ich wieder die Symptome behandeln.

Kat von dem Blog "wirdgutesjahr.wordpress.com" fragte mich bei meinem letzten Beitrag, wie ich diese Krankheit momentan behandle. Und diese Frage möchte ich nun gerne beantworten. Zudem habe ich in meinen Statistiken gesehen, dass einige User über das Stichwort "Lichen Sclerose" auf meinen Blog kommen. Da es so wenige Erfahrungsberichte über diese Krankheit gibt, möchte ich natürlich auch diese Personen gerne "abholen".

Lichen sclerosus ist ja eine Autoimmunerkrankung. Mein Körper registriert also permanent eine Entzündung in meinem Körper und möchte gegen diese ankämpfen - bekämpft sich dann aber leider selber.

Ziel der Behandlung ist daher, dass es erst gar nicht erst zu der Entzündung kommt. Denn, wenn man das schafft, geht der Schrumpfungsprozess auch nicht weiter voran. Daher soll ich die Vagina- und Afterregion zwei Mal die Woche (1x täglich) mit einer Kortison-Creme behandeln. Ich verwende die Kortison-Salbe "Karison" und habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. An den anderen Tagen soll ich den Bereich mit einer Fettsalbe pflegen. Hier habe ich mehrere ausprobiert und bin nur mit der Salbe "Linola - Atmungsaktiver Schutzbalsam" zufrieden. Meine Frauenärztin meinte, dass einige Frauen sogar sehr gute Erfahrungen mit Vaseline aus dem Drogeriemarkt gemacht haben. Ich habe diese noch nicht ausprobiert. 

Ich kann tatsächlich bestätigen: wenn ich die Behandlung regelmäßig fortführe, entzündet es sich wirklich nicht mehr und man hat ein Beschwerdefreies Leben. Wenn es mir psychisch gut geht, kann ich auch mal zwei oder drei Wochen ohne Kortison-Creme auskommen. Aber: wenn es mir nicht gut geht und ich die Kortison-Creme nicht anwende - dann ist der nächste Schub vorprogrammiert. So wie es gerade der Fall ist ...

Meine Frauenärztin behauptete, dass ich gegen diese Autoimmunerkrankung nichts machen könnte und dass ich den Verlauf auch nicht mit einer Ernährungsumstellung beeinflussen könnte. Irgendwie wollte ich das nicht glauben und habe angefangen zu recherchieren. Und siehe da: viele Betroffene berichten über eine positive Veränderung ihrer Autoimmunerkrankung, wenn sie ihre Ernährung umgestellt haben.

Krassestes Paradebeispiel, dass eine Ernährungsumstellung sehr wohl eine positive Auswirkung auf die Autoimmunerkrankung haben kann, ist für mich die Amerikanerin und Bloggerin Danielle Walker. Sie leidet an der Erkrankung "colitis ulcerosa" und hatte - noch vor der Ernährungsumstellung - sehr heftige Nebenwirkungen und viele Krankenhausaufenthalte zu verzeichnen. Durch eigene Recherchen stellte sie fest, dass eine Ernährungsumstellung sehr wohl sinnvoll sein könnte. Nach mehreren Experimenten kam sie dann zu dem Ergebnis, dass ihre Symptome verschwanden, wenn sie auf Getreide, Gluten, Milch und Eier verzichtete. Die von ihr entwickelten Rezepte hat die nun in einem Buch veröffentlicht: "Paleo-Küche für Genießer".

Mein Arzt vermutet bei mir zurzeit übrigens auch eine Unverträglichkeit/Sensibilität gegenüber Gluten und Laktose - wegen typischer Reizdarm-Beschwerden - und empfahl mir eine Ernährungsumstellung. Ich müsste vermutlich nicht vollständig auf Gluten und Laktose verzichten, sollte dies aber mal ordentlich zurückfahrende.

Ich habe mir nun fest vorgenommen, diese Ernährungsumstellung zumindest mal für eine Weile durchzuziehen. Allerdings merke ich gerade, wie schwer mir das fällt, da ich mich wirklich täglich von gluten- und laktosehaltigen Lebensmitteln ernähre - und auch sehr viel davon konsumiere.
Zudem habe ich gelesen, dass Omega-3-Fettsäuren und entzündungshemmende Lebensmittel bevorzugt werden sollen.

Paleo ist zurzeit ja so eine Trendbewegung. Und ehrlich gesagt würde ich diese, wenn ich gesund wäre, tatsächlich auch belächeln. Aber, bei Autoimmunerkrankungen scheint sie tatsächlich positive Auswirkungen zu haben. Warum also nicht ausprobieren? 

Ich werde das nun einige Zeit ausprobieren und über das Ergebnis in diesem Blog berichten :-).

ERGÄNZUNG AM 21.01.2015: Da doch sehr viele User über diesen Eintrag auf meine Blog stoßen noch eine Ergänzung zum aktuellen Status Quo. Mein Lichens sclerosus ist seit Behandlung meines Hashimotos komplett weggegangen. Ich habe keinerlei Probleme mehr damit. Somit wurde der Liches Sclerosus bei mir durch die nicht behandelte Schilddrüse hervorgerufen. Auch bei Hashimoto kommt es - trotz optimaler L-Thyroxin-Einstellung - manchmal vor, dass es einem schlechter geht. Wenn es dem Hashimoto nicht gut geht, dann beginnt auch der Lichens wieder zu arbeiten. Das ist eigentlich immer ein sehr guter Gradmesser für mich. In solch einem Fall, dosiere ich das L-Thyroxin (ggf. für eine kurzfristige Phase) etwas höher/niedriger und achte auch sehr auf meine Ernährung. Ich bevorzuge dann eine fleischfreie, milchfreie und insbesondere fischfreie Ernährung, weil in Fleisch, Fisch und Milchprodukten ja auch Jod enthalten ist und dies die Entzündung des Hashis ja wieder ankurbelt. Ich fahre damit sehr gut. Aber das muss nicht heißen, dass es auch für euch die richtige Lösung ist. Probiert einfach alles aus. Ihr merkt irgendwann von selbst, was funktioniert und was nicht. Fisch ist bei mir bspw. ein absolutes No Go, obwohl ich es unheimlich gerne esse. Aber mittlerweile musste ich leider feststellen, dass es mir nach Fischkonsum danach wirklich IMMER zwei Tage miserabel geht.
Ich habe auch festgestellt, dass ich während den ICSI mehr L-Thyroxin benötige. Auch wenn meine Ärztin eine höhere Dosierung nicht für notwendig hielt (aber auch nicht davon abgeraten hat). habe ich meine Dosierung während Stimulation und danach dennoch um 10 - 20 Einheiten erhöht. Ich merke mittlerweile selbst, wann es notwendig ist, die Dosis ein wenig zu erhöhen. Ob das aber auch bei euch notwendig ist, könnt ihr nur selbst herausfinden.