Donnerstag, 24. Juli 2014

Erster Termin in der Kinderwunsch - Klinik #1

Letzte Woche war es dann endlich soweit. Mein erster Termin in einer der beiden präferierten Kinderwunschkliniken.
Ich muss gestehen, dass ich ganz schön aufgeregt war. In diversen Foren hatte ich schon viel über diese Klinik gelesen. Von Lobpreisungen, bis hin zu ernüchternden Erfahrungsberichten war alles dabei. Die einen bezeichneten die Klinik als sehr "geschäftstüchtig" mit niedrigen Erfolgsquoten. Die anderen schwärmten nur so von den Doktoren und den Assistentinnen. Aber nach nochmaligen Durchlesen aller Berichte habe ich festgestellt, dass man nur selten von Frauen las, die auch tatsächlich schwanger wurden. Statt dessen sicherte man den Frauen in der besagten Klinik nach jedem misslungenen Versuch immer nur zu "man bekomme sie schon schwanger".

Meine Frauenärztin hat mir diese Klinik nicht empfohlen und mir sehr deutlich zu der anderen Klinik geraten. Das Wort "Hinterhof-Klitsche" fiel im Zusammenhang mit dieser Klinik, wobei sie diesen Begriff nicht explizit bei dieser Klinik genannt. Aber der Zusammenhang war eindeutig.

Ich vertraue meiner Frauenärztin, weil sie bislang immer die richtigen Diagnosen gestellt hat (ich hatte schon das ein oder andere Wehwehchen vor den beiden Eileiterschwangerschaften). Aber auch deshalb, weil sie mir in Bezug auf die Eileiterschwangerschaften zwei Kliniken empfohlen hat, die wirklich die besten gynäkologischen Abteilungen in unserer Stadt haben. Mir wurde das von anderer Seite auch immer wieder bestätigt.

Nichts desto trotz, wollte ich mir selber ein Urteil bilden. Ich konnte und wollte mir einfach nicht vorstellen, dass eine Klinik so schlecht ist, dass sie "Hinterhofklitsche" genannt werden kann...

Mein Lieblingsmann und ich waren wirklich sehr aufgeregt. Bei der Ankunft wurden wir in einen separaten Raum geführt, wo wir viele, viele Fragen bei einer sogenannten Kinderwunsch-Assistentin beantworten mussten. Fragen beantworten ist schon in Ordnung... Aber ich hatte Tage vorher schon einen ellenlangen Fragebogen erhalten, den ich bereits zu Hause ausgefüllt und auch mitgebracht habe. Alle Fragen hätten sie ohne weiteres mit dem Fragebogen beantworten können. Irgendwie kam ich mir zu diesem Zeitpunkt schon ein wenig veräppelt vor. Aber gut.

Dann wurden wir gebeten kurz im Wartezimmer Platz zu nehmen, man würde uns dann aufrufen. Das war ein wirklich skurriles Gefühl. In diesem Wartezimmer saßen alles Paare oder Frauen, die sich Kinder wünschten. Irgendwie war das schon komisch. Es waren sogar zwei Frauen dabei, die man vom Sehen her aus unserem Stadtviertel kannte. Plötzlich war diese Kinderlosigkeit nicht nur irgendein künstliches Konstrukt, über das man im Internet lesen konnte. Nein, es war ganz real und hatte viele Gesichter. Ein bisschen fühlte ich mich auch unbehaglich. Das war kein normaler Arztbesuch; diesmal ging es um etwas mehr als eine Erkältung oder einen verrenkten Rücken.

Wir saßen über eine Stunde im Wartezimmer und waren genervt. Während der Wartezeit haben wir uns das komplette Informationsmaterial durchgelesen. Obwohl ich im Internet schon jede Menge gelesen hatte und mich schon gut informiert fühlte, waren nach dem Studium des Infomaterials wirklich alle Wissenslücken gefüllt. Das Pärchen vor uns verlässt den Behandlungsraum und schaut nicht gerade zufrieden aus. Vielleicht haben sie eine schlechte Nachricht erhalten?

Derweil laufen unfreundliche Assistentinnen immer wieder durch die Klinik und führen immer wieder laute Privatgespräche mit ihren Kolleginnen.

Irgendwann wurden wir dann aufgerufen. Frau Doktor stand zuerst an der Türe, ist dann aber - noch bevor wir im Behandlungszimmer waren - schon wieder auf ihren Stuhl zurückgehuscht, bat uns sich hinzusetzen und stammelte konfuses Zeug vor sich her, während sie auf den Bildschirm mit meiner "virtuellen" Krankenakte starrte. Keine nette Begrüßung, nichts... Ich möchte nun wirklich nicht betüddelt werden. Aber eine freundliche Begrüßung erwarte ich bei dem ersten Gespräch in einer Kinderwunsch-Klinik. Eine freundliche Begrüßung bekomme ich sogar bei meinem überaus kauzigen Zahnarzt. Aber gut, wenn Frau Doktor aber fachlich was drauf hat, soll es mir egal sein.

Das Gespräch mit der Frau Doktor war furchtbar, denn sie hörte mit ihren konfusen Sätzen nicht auf. Es war schwierig ihr zu folgen. Sie stammelte die ganze Zeit vor sich hin, hat uns nicht wirklich beraten und auch nur sehr wenige Fragen gestellt. Das Infomaterial im Wartezimmer hat mich besser beraten als die studierte Frau Doktor. Die Frau Doktor ist - laut Vita im Internet - berufserfahren. Hat jahrelang in der Gynäkologischen Abteilung eines Krankenhauses gearbeitet und danach längere Zeit eine Frauenarztpraxis geführt. Vor einigen Jahren hat sie sich dann der Kinderwunschklinik angeschlossen. Da erwarte ich schon eine gewisse fachliche und kommunikative Kompetenz. Mein Lieblingsmann und ich waren uns bereits nach der ersten Minute einig, dass wir hier nicht gut aufgehoben sind. Es war ein zähes Gespräch, ohne wirkliche Handlungsempfehlungen. Erst nach ganz gezielten Nachfragen, haben wir den konkreten Ablauf einer IVF erfahren und welche Behandlungen wir vorab durchführen müssten.

Auf die Frage, wie die Erfolgsquote in dieser Klinik sei, antwortete sie ohne zu zögern: "Super. Wirklich hervorragend. Natürlich wird Ihnen das jede Klinik mitteilen. Aber ich muss wirklich sagen, wir haben richtig gute Erfolgsquoten. Das können Sie mir glauben." Sie hat das mit nichts unterfüttert, auch nicht mitgeteilt, dass die Erfolgsquoten von Fall zu Fall auch variieren können. Und auch uns, sehr gute Erfolgschancen zugesichert. Das ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt, von dem fast 1-stündigen Gespräch. Ich kann das alles gar nicht wiedergeben, was die Frau Doktor alles für einen Mist von sich gegeben hat. Im Endeffekt war es die Summe aller Aussagen, die das ganze Kartenhaus hat einstürzen lassen.

Irgendwie wirkte das alles sehr unprofessionell und ein wenig nach Geldmacherei. Wir haben uns definitiv nicht wohl gefühlt und hoffen, dass es in der anderen Klinik professioneller zugeht. Natürlich wäre es schön, wenn die Ärzte herzlich wären. Aber ich könnte auch mit einem nicht so netten Ärzteteam leben, wenn dafür eine sehr hohe fachliche Kompetenz zu erkennen ist.

Ein bisschen fühlt es sich an wie ein Rückschlag. Jetzt geht man schon diesen bedeutenden Schritt und bekommt einen richtig fiesen Schlag ins Gesicht. Aber noch bin ich guter Dinge: denn morgen habe ich einen Termin in der präferierten KiWu-Klinik. Drückt mir die Daumen, dass hier alles etwas professioneller abläuft. Und mit ein ganz kleines bisschen Glück, auch ein wenig Herzlichkeit vorhanden ist :-)

Kommentare:

  1. Oh das ist wirklich bitter! Ich kann deinen Frust sehr gut verstehen, mir würde es nicht anders gehen.

    Ich fühle mich in meiner KiWu-Klinik bei "meinem" Arzt sehr gut aufgehoben. Leider hat dieser die Klinik nach unseren IUI's verlassen. Die Ärztin die für ihn kam lag mir gar nicht. Wir haben dann die Klinik gewechselt und sind in eine gegangen die mir auch meine FÄ empfohlen hatte. Was soll ich sagen?! Ich fühle mich dort supergut aufgehoben. Der Prof. hat's sowohl fachlich als auch menschlich drauf und das ganze Team ist supernett!

    Langer Rede kurzer Sinn: Ich hoffe sehr dass es dir morgen auch so geht und dass der Tipp deiner FÄ für euch passt!

    GLG

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  2. Die Sache mit den KiWu-Kliniken ist schon heikel. Ich fühlte mich auch erst gut, dann irgendwie nur noch gemischt gut aufgehoben. Ich kann das gar nicht beschreiben bzw. exakt in Worte kleiden, warum das so war. Unsere Ärztin war total lieb. Aber es gab da so Momente (wir waren auch echt nur 5x da: Vorgespräch. Abholung Behandlungsplan und Rezepte, Tag 10 Ultraschall, Punktion, Transfer. Tschüss!)
    Als die Rechnung noch vor dem eigentlichen Bluttest (da bin ich nicht mal mehr hin, dachte eh nicht an ein Wunder!) ankam, traf mich das wirklich sehr hart. Da kam ich mir so als Privatpatienten-Supergeldmaschine vor. Blöd.
    Letztlich zählte aber nur Folgendes: Beim ersten Gespräch, dem Kennenlern- und Vorgespräch, da sprach unsere Ärztin von der Therapie, von den Chancen und mein Mann war trotzdem irgendwie skeptisch. Da meinte sie zu uns: "Es steht nicht zur Debatte, ob Sie ein Baby bekommen. Denn Sie bekommen eines. Und wir helfen Ihnen dabei!"
    Das war letztens Jahr kurz vor Weihnachten. Wir gingen mit dem Gefühl raus, dass es stimmen würde.
    Wann auch immer, aber wir wussten, dass wir ein Kind bekommen würden.
    Wenn sie dir Hoffnung machen, dann ist das letztlich doch schön (wir wissen ja alle, was es für realistische Chancen gibt!)! Und ich kann nur sagen, sie hatte ja völlig recht. Wir hatten wahnsinnig großes, unfassbares Glück. Aber das gibt es nicht selten. Bei uns war diese 1.ICSI nun ein Hauptgewinn. Sie hatte nicht gelogen. Sie hatte recht. Und deshalb zahlten wir auch letztlich total glücklich diese Tausende von Euronen!
    Hört auf euren Bauch. Wenn es gar nicht geht, dann würde ich dort nicht hingehen. Aber wir sind vielleicht auch diesbezüglich ein wenig sensibilisiert und erwarten gerade von den Profis einen vernünftigen Umgang damit!

    Wie auch immer und was auch immer ihr machen werdet!
    Viel Erfolg!!
    Penny

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